01.08.2018

Der Senf und die Zeit

Liebe Freunde banaler Begleitworte.
Was sind das für Produktivitätsvernichtungstemperaturen? Das Hirn käst vor sich hin, der Körper labbert ohne Rhythmus, Konzentration und Fokus sind Eigenschaften der Vorwüstenzeit. Mein Urlaub ist längst vorbei, ich bin wieder am Ort der Routine und des Alltags. Aber eben nur physisch. Der Rest ist nur die schlechte Kopie eines Gedankens, den ich nie hatte. Entsprechend reicht es diesmal auch nur für drei Textverdunkelungen und ein paar banale Begleitworte. Oder anders formuliert: Es reicht nur für drei Portionen Senf, die die Zumutungen des Alltags bereichern. In diesem Sinne wünsche ich Euch eine gute Balance zwischen "viel Zeit" und "viel zu tun". Macht das Beste draus, quasi.

06.07.2018

Lustiger wird es nicht

Liebe Freunde verständnisloser Veränderungen.
Manchmal fehlen die Worte. Was ja eigentlich Blödsinn ist, denn irgendwer hat immer Wörter, die man sich ausleihen kann. Und wenn es nur zweifelhafte Meinungen sind, die irgendwer in die Welt hustet. Aber was gerade so an sprachlichen Waffen in dieses Land geworfen wird, gleicht einer ausgewachsenen Bronchitis und macht mich fertig. Politische Trumpeltiere seehofern durch die Gegend und vermerkeln eine politische Agenda, die so überhaupt nichts mit meiner zu tun hat. Es gibt nun wirklich wichtigere Themen. Klimawandel, Pflege, Bildung, zum Beispiel. Das ist zumindest meine unmaßgebliche Meinung. Aber das scheint keinen zu interessieren, der ständig zu wissen meint, was die Bürger dieses Landes denn so bewege. Mich bewegt ganz anderes. Jedenfalls schaffe ich es derzeit nicht, mir aus den Tageszeitungen die Wörter auszuleihen, die andere mal gehabt haben.

06.06.2018

Seelenruhig im Sommerloch

Liebe Freunde psychischer Perfektion.
Eine unformatierte Wahrheit beugt sich über die Seelenruhe und will sie aus der Fassung bringen. Schafft sie aber nicht. Stattdessen lächelt die Seelenruhe die völlige Erschöpfung in eine dunkle Ecke und pflegt ihr lichtes Haar für exakt die drei Minuten, in denen alles egal ist - außer der Blick auf das Jetzt. "Es ist lange her", sagen die Wolken, nehmen einen kräftigen Schluck aus der Pulle und pusten das soeben Getrunkene auf die Welt. Die Blumen freuen sich, jubilieren in unbestimmter Hoffnung. Nur der alte Apfelbaum mit seinem Rundumblick für das große Ganze weiß, dass jenseits der Hoffnung die Wachen des Gehirns auf jene lauern, die voller Zuversicht das phantastische Meer überqueren. Draußen auf dem Wasser ist jedes Wort still und klein. Die Gewalten sind größer.

04.05.2018

Unsinn, Irrsinn und Gelegenheiten

Liebe Freunde schneller Schritte.
Heute morgen hatte ich noch einen Funken Verstand. Aber der muss im Laufe der letzten Stunden wohl übergesprungen sein. Es wird böse enden, das wissen wir nicht erst seit Werner Enke. Was also tun? Dem Unsinn, der mindestens so oft vorkommt wie Menschen, die helfende Hand reichen? Oder gleich auf den Irrsinn als letzte Hilfe hoffen und ihn anflehen, er möge doch bitte die Verhältnisse wegtreten? Wenn die Wahrheit nicht ein Schwindel wäre, läge sie irgendwo in der Mitte, sie läge sanft gebettet auf unsinnigen Träumen, in denen wir ins Morgen gleiten. Und ohne an den Rückweg zu denken, wären alle unsere Schwierigkeiten irgendwie ein wenig beendet. In diesem Sinne, Ihr lieben Zukunftskinder: Geht nach vorne, immer in Richtung der gelegentlichen Gelegenheiten, die den Akku wieder grün färben. Verteilt die Rückschläge gleichmäßig auf alle Neben-Ichs, die sonst noch in Euch wohnen. Folgt den frittierten Illusionen. Und unterschätzt nicht die mächtige Kraft der Ruhe, auch wenn es nur ein paar Minuten sind.

03.04.2018

Frühjahrsputz der inneren Bilder

Liebe Freunde intensiver Irrungen.
Werdet Ihr auch in regelmäßigen Abständen vom Realitäts-Chef heimgesucht? Da könnt Ihr Euch noch so frei fühlen, wenn dieser Typ in Eure vollen Träume fegt, dann bleibt nichts als innere Leere. Aber es gibt Abhilfe. Denkt Euch hinaus in die Wirklichkeit anderer Orte und Gelegenheiten. Lasst die Sonne auf Eure inneren Bilder scheinen, sofern sie in der Lage sind, für helle Momente zu sorgen. Flüchtet Euch in unterhaltsamen Irrsinn. Der garantiert Lebensfreude und verhindert aufwändiges Rumsitzen. Atmet nicht zu fest, das führt zu unangenehmen Verspannungen und sozialen Verhärtungen. Und damit Euch das alles gelingt und Ihr sauber strahelnd in das Gewirr des modernen Frühlings starten könnt, hier die Textverdunklungen der vergangenen Wochen im vorteilhaften Monatspack. Mögen Sie Euch als Orientierungshilfe und Verwirrungsbeschleuniger dienen.
In diesem Sinne: Vermeidet quälende Leere, seid unproblematisch und okay. Verliert die Lust an den Schwierigkeiten und lernt, mit dem Wandel umzugehen. Als Besen der Entwicklung habt Ihr dafür die besten Voraussetzungen.

04.03.2018

Herr Knarzig und der Rand des Wahnsinns


Liebe Freunde knuffiger Kerle.
Vor ein paar Wochen stand Herr Knarzig in meinem Kopf und wollte, dass ich ihm helfe. "Wieso ich?" habe ich gefragt, aber er wusste keine Antwort. "Vielleicht", so sagte er mir etwas später, "vielleicht war es, weil Du gerade Platz im Schädel hattest. Und ich war zufällig in der Nähe". Herr Knarzig tat mir irgendwie leid, also habe ich ihm erlaubt, sich für ein paar Tage in meinem Kopf aufzuhalten. Er war wirklich ein ganz angenehmer Mitbewohner, er war nett zu den anderen Gedanken und sonstigen Wesen, die da erlaubt und unerlaubt wohnen. Also ein völlig unauffälliger Zeitgenosse. Aber so werden Amokläufer im Nachhinein ja auch manchmal charakterisiert. 

03.02.2018

Dumme Sachen vs. Eloquenzbudget



Liebe Freunde gelingender Gespräche.
Das neue Jahr war kaum ein paar Tage alt, da musste die jüngste der drei Töchter ins Krankenhaus. Nichts schlimmes, alles wieder gut, danke der Nachfrage. Vor dem Eingang zum Kinderkrankenhaus lag eine Kiste mit Büchern zum Verschenken. Da kann ich natürlich nicht vorbeigehen, also habe ich mir so einen buddhistischen Roman mitgenommen. Muss ja nicht uninteressant sein. War es aber leider. Stilistisch fragwürdig, und jeder Satz wollte irgendeine fernöstliche Weisheit in die Zeilen humpeln. Ideales Rohmaterial für ein paar Verdunkelungen. Zehn habe ich wortumkringelt, fünf haben das Stadium der Ausarbeitung erreicht. Bedingt gute Quote, ich weiß. 

02.01.2018

Traumberuf Alltag

Liebe Freunde nützlicher Nachtruhe.
Ist es Panikmache oder erwartbare Realität, dass die Automatisierung und Robotisierung der Gesellschaft Arbeitsplätze vernichtet? Ich liebe es, wie meine Kinder, auf Oder-Fragen mit "ja" zu antworten. Jedenfalls bin ich der Meinung, dass wir uns einfach neue Beschäftigungen suchen können, wenn die alten keine humanoiden Händchen oder Köpfchen mehr benötigen. Ob das auch mit entsprechendem Entgelt einhergeht, steht auf einem anderen Server. Heute habe ich die Traum-Bauarbeiter kennengelernt. Kleine Persönchen, die vielleicht von den Kölner Heinzelmännern abstammen, wer weiß das schon so genau? Diese Traum-Bauarbeiter kommen zu den Menschen, die gerade eingeschlafen sind, und werkeln dann solange rum, bis der Traum fertig ist. Ist es ein schwieriger Traum, kommen bis zu zwanzig Werkwichtel, habe ich mir sagen lassen. Mit Glück könnt Ihr vielleicht im Halbschlaf noch eins sehen und einen Traumwunsch äußern. Irgendwas mit Prinzessinnen oder Einhörnern vielleicht. Oder etwas anders aus dem Abgrund des klassischen Alltags, in dem - so hört man - nichts überleben kann.