11.02.2015

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Liebe Freunde polymorpher Pathologien.
Die Zeit mäandert durch den Tag. Es ist Zeit, dass sich das maändert. Hausschuhe schlurfen über das billige Parkett. Plüschiges Kratzen auf dem Kirschholzimitat. Ein Mann kommt ins Zimmer. Er hat eine lustige Frisur, die sich durch einen empfindlichen Mangel an Grazie auszeichnet. Die rötlich-gelben Haare struwweln in alle Richtungen, das Neonlicht schimmert in den Strähnen. Gebückt geht der Mann ein paar Schritte, parkt seinen Rollator neben dem Sofatisch und springt mit allem Schwung, den das Alter noch zulässt, auf den türkisgrünen Hochflorteppich. Die Knubbelnase presst sich aus seinem Gesicht wie eine Beule. "Bloß weil ich friere, ist noch lange nicht Winter", schreit ihm ein noch älterer, vollbärtiger Greis mit Hornbrille zu, der am Fensterbrett lehnt und mit goldenen Zitronen jongliert. "Ich könnte dein Vater sein, und du kannst es besser", sagt der Geronto-Hipster, schmeißt die Zitronen gegen die Wand und pfeift aus dem letzten Loch. Während der Alte so dasteht, in der Mitte des Raumes, schleichen weitere Gesichtsverknitterte mit ihren Instrumenten herbei, sorgen für Strom und beginnen ihr Spiel.

01.02.2015

Mehr vom Alten

Liebe Freunde labbriger Leitbilder.
Was sind eure Strategien gegen die unangenehmen Seiten der hartrealen Lebenswirklichkeit? Ich zum Beispiel suche mir immer aus, ob etwas richtig oder falsch war. Das sorgt für ein attraktiv-wohliges Eigengefühl. Und ein paar soziale Kollateralschäden nimmt man für eine gute Zeit in der gemütlichen Egoblase gerne in Kauf. Zwei Neuigkeiten vorweg, bevor ich euch mit den Schwarzmalereien des letzten Monats nerve. Erstens, Facebook: Ich habe mich entschlossen, Privates und Privates zu trennen und veröffentliche seit diesem Monat unregelmäßig einige Textverdunkelungen auf einer eigenen Seite jenseits des Selbstprofils. Falls Ihr Interesse habt, behochdaumt doch diese medaillenwürdige Seite und beobachtet, wie die Zeitung von gestern durch eure Timeline rauscht. Zweitens, Buch: Neulich habe ich mich mit Jan von GudbergNerger getroffen. Richtig, der tolle Mensch, der schon 2013 die Streichübungen für veröffentlichungswürdig hielt und in dessen Verlag das erste Büchlein erschienen ist. Für irgendwann im Sommer ist eine zweite Ausgabe geplant. Das heißt: Ihr könnt euch über Geburtstagsgeschenke für Herbst-/ Wintergeborene oder Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr einen Gedanken weniger machen. Wenn das kein Grund zum Lächeln ist. Und ihr wisst ja: Lächeln ist ein effektives und in der Regel schmerzlosen Beauty-Konzept.