08.12.2015

Größenwahn im Kleinformat

Liebe Freunde alter Neuigkeiten.
Ihr wisst es längst. Das hier ist ein Dauerwerbe-Eintrag. Aber gebt ihm und mir eine Chance, bevor die Aufmerksamkeit weiter wandert. Schließlich habe ich mir Mühe gegeben. Neben den üblichen Kaufaufrufen und Glücksversprechen gibt es ein paar Bilder, ein Video und sogar ein GIF. Was Ihr auch längst wisst: Das neue Blackout-Büchlein ist draußen. Seit letzter Woche.

Vielfach fallen Begriffe wie "Weltniveau", "meisterhaft" oder "krass 3000" - nur fallen sie leider nicht im Kontext dieses Buches. Noch nicht. Man kann eben nicht alles haben. Streichen wir also diese Begriffe und bleiben auf dem wackeligen Boden der Tatsachen, der flötend herumwirbelt und uns in die nächste Zukunft schleudert. Aber gehen wir noch eine Etage tiefer. In diesem Schatz der schwarzen Striche findet Ihr den Bodensatz der wackeligen Tatsachen. 190 textverdunkelte Konfusionsbeschleuniger für Eure ganz persönliche Weltbewältigungsstrategie. Da ist garantiert für jede und jeden etwas dabei, vom alphabetaffinen Angstäffchen bis hin zum zynismuszerstörten Zauderzebra.

23.11.2015

Sechs Strategien zum Nichtdranbleiben

Liebe Freunde lustiger Lebenshilfen. 
Nur noch wenige Wochen. Das Jahr geht in die letzte Runde. Endstimmung. Gefühle. Wechselbäder. Wintergebremste Seelenkälte. Zeit der guten Vorsätze und Veränderungssuggestionen. Leider sind die meisten davon positiv. Lassen Sie sich nicht von diesem Optimismuswahn anstecken. Halten Sie sich an die ZACK-Regel: Zweifel, Aufschub, Chaos, Krise. Nur so verpassen Sie garantiert jeden Anschluss. Aber das ist gar nicht so leicht. Aufbruchsfanatiker, Optimismusjünger und dynamische Macher dominieren die gesellschaftliche Realität. Sie fühlten sich schon immer etwas anders als der Mainstream? Wunderbar. Dann rebellieren Sie gegen das Dranbleiben, indem Sie nicht dranbleiben. Opfern Sie mir ein bisschen Ihrer Zeit, und ich zeige Ihnen, wie das geht. In sechs Schritten zum brillanten Bremser.

02.11.2015

Charakterstarke Unsinnsbekundungen

Liebe Freunde eiliger Euphorie.
Endlich November. Wir schleichen durch das triste Grau und bekommen so langsam die Gravitationskraft des Besinnlichkeitsterrors zu spüren. Wie schön ist das denn, bitte! Ich kann kaum noch. Also folgt dem Frohlocken und freut Euch auf das Innehalten. Um Euch die Wartezeit bis zur Jahresbilanz zu verkürzen, hier noch ein paar gesammelte Blackout-Brocken. Vorgezogene Bonus-Tracks quasi, denn das Büchlein erscheint erst Ende November, und diese fragwürdigen Textbausteine haben es nicht mehr zwischen die Seiten geschafft und bleiben exklusiv digital. Wie dem auch sei, vertreibt Euch die Zeit bis wohin auch immer mit herbstlichem Herumeiern und einer profunden Portion peppiger Plüschgedanken.
Weil Ratgeber bekanntlich boomen, und weil es die 19 Regeln für besseres Regeln schon gibt, präsentiere ich Euch heute eine äußerst gelungene, aber sehr gefährliche Mischung meiner schönsten Charaktereigenschaften. Zumindest der, die ich im letzten Monat gestrichen habe. Auf geht´s. Kommt mit in die zauberhafte Welt der dreckigen Denkbeschleuniger.

01.10.2015

Traumtraining und innere Unruhe

Liebe Freunde trainierter Träume.
Mit dem Neuen ist es so eine Sache. Es beginnt als spannende Herausforderung, etabliert sich später vielleicht als formgebende Struktur im sogenannten Alltag. Und nach einer gewissen Zeit kippt die Routine um in Langeweile. Spätestens dann wächst im Sehnsuchtszentrum der Wunsch, der Mensch möge doch sein Traumtraining intensivieren und weiter das Neue suchen. Immer weiter. Vielleicht sucht man das Weite, vielleicht liegt das Gute auch sehr nah. Man weiß es nicht. Klar ist nur: Das Streben nach Glück ist entschieden keine fröhliche Angelegenheit. Manche Probleme wollen einfach bleiben und haben Angst vor Entwarnung. Genau genommen sind es 65% aller Komplikationen, die einen extrem ausgeprägten Selbsterhaltungstrieb haben. 

01.09.2015

Konfusionsbegabte Luftpiloten

Liebe Freunde vernünftiger Verwirrung.
Und wieder neigt sich ein Sommer dem Ende entgegen. Beugt sich nach vorne und wartet auf den kühlenden Arschtritt des Herbstes, der ihn mit harten Grautönen in den Abgrund schubst. Alles geht weiter. Alles, was schön ist, lieben wir zu verändern. Ich beuge mich der subversiven Kraft der Zuversicht und schenke allen konfusionsbegabten Luftpiloten wieder ein paar altmediale Neusinnminiaturen. Die üblichen Veränderungsveränderungen eben.
Seid Ihr auch manchmal so dicht dran an dem Punkt, an dem Ihr richtig kluge Ideen haben werdet? So knapp davor? Vielleicht erreicht Ihr ihn ja auch? Ich oszilliere zumeist drum herum wie so ein Magnetfeld-Äffchen und komme nicht hin, also zu dem Punkt. Stattdessen kreise ich wie ein wirbelnder Hula-Hoop-Reifen um den Stillstand, befolge selbst gemachte Regeln, experimentiere mit dem Vorsatz dauerhafter Beliebtheit oder bin vergeblich dabei, meinem Gehirn seine Ziele deutlich zu machen. Letzteres ist ein mühsamer Prozess, der manchmal ruckelt.

10.08.2015

Prinz Eisenherz rasiert sich nicht

Liebe Freunde fehlgeleiteter Frisuren.
Neulich klingelte der Nachbar-Nachbar an der Tür. Unaufgeregter Typ, so Anfang siebzig. Irgendwie hatte er mitbekommen, dass Tochter eins gerne Comics liest. In seinem Unruhestand war er gerade dabei, den Keller zu entrümpeln und die alten Spielsachen seines Sohnes, der mittlerweile auch schon fast 50 Lenze zählt, "aufzuräumen."  Die familiären Hintergründe dazu möchte ich mir jetzt nicht ausmalen. Jedenfalls ist er dabei auf einen Karton mit alten Comics gestoßen und dachte sich netterweise, dass das doch was für die Nachbarnachbarskinder wäre. Da stand er also vor dem Haus, mit dem randvollen Umzugskarton auf der Schubkarre: "Bitte schön. Durchsuchen, Rest wegschmeißen. Schönen Tag noch." So begab es sich also an diesem herrlichen Sonntagnachmittag, da Tochter eins gemeinsam mit Sohn eins der Nachbarsfamilie vor dem Haus Comic-Heftchen sortierten: ein Stapel "wollen wir beide", ein Stapel "will ich" (Tochter eins), ein Stapel "will ich" (Nachbars-Sohn eins), ein Stapel "will keiner." Nachdem die Beute verteilt war, trugen die Kinder ihre Meterware in die Häuser und verschwanden in den jeweiligen Leseecken. Übrig blieb der Stapel "will keiner", und den trug der, der innerfamiliär für die Restmüllentsorgung zuständig ist, brav zur Altpapiertonne.

04.08.2015

Abstürze und ein abstraktes Herzdefizit

Liebe Freunde abstrakter Scheiße.
Da haben wir ihn also, den Clowns-Monat. Steht man wie ein dummer August im Regen und hört jemanden sagen, dass er doch bitte die paar Biere da lassen soll. Und dann dreht man sich um und es liegen nur Papiere auf dem Tisch. Es muss euch nicht kümmern. Was euch aber kümmern sollte, liebe Freunde, ist der Oktober. Der Herbst wird nämlich bunt, und das neue Blackout-Büchlein erscheint im grandiosen Verlag GudbergNerger. Als kleinen Vorgeschmack auf dieses weltbewegende Ereignis, über das die Weltpresse, ich ahne es, den Mantel des Schweigens drücken wird, schicke ich euch liebe Grüße und farbige Botschaften hinein in euren Sommeralltag. Mögen sie euren Befindlichkeitsstatus verbessern, nicht zerrütten. Ein dreckiges Halbdutzend blitzsauberer Ausstreichbildchen mit 50-prozentigem Voyeurismusanteil: Ihr erfahrt, was ich nach dem Aufstehen mache, worüber ich ungern spreche - und dass die Kaffeeindustrie ohne mich ein Nischenmarkt wäre. Desweiteren gibt es eine Metapher, ein sanftes blaues Licht und - natürlich darf das nicht fehlen - irgendwas mit Liebe. Ihr wisst schon. In diesem Sinne: Lasst euch vom Sommer nicht erdrücken.

01.07.2015

Standarderfahrungen auf furchtbarem Boden

Liebe Freunde sommerlicher Löcher.
Noch jemand, der manchmal neben sich steht? Zum Teil bis zu zehn Meter? Oder jemand mit dem Gefühl, dass das Jahr nur 109 Tage hat? Sehr gut, dann seid Ihr hier richtig. Hunderte von Sekunden formulieren die knappe Zeit. Nehmt Euch ein paar und werft das geistige Auge auf diese neuen Blackouts. Vielleicht fällt etwas davon auf furchtbaren Boden. Pardon: fruchtbaren Boden. Womit wir mitten drin wären im aktuellen Themenheft. Früher habe ich mich immer aufgeregt, wenn ich in Artikeln Tippfehler entdeckt habe. Heute freue ich mich darüber, vor allem dann, wenn es gelingt, diese in einen halbwegs sinnvollen Satz zusammenzustreichen. Wie zum Beispiel beim furchtbaren Boden. Aber seht selbst. Was gibt es sonst Neues? Zum Beispiel die Erkenntnis, dass jede dritte Erfahrung ein Standardindustrieprodukt ist. Sollten wir da nicht mit antikonsumeristischen Individualerfahrungen gegensteuern? Oder die Tatsache, dass das grenzenlos graue Problem das flächenmäßig größte Land der Erde ist. Nicht umsonst versuche ich, das Schwarzmalen so bunt wie möglich zu gestalten.
Zum Schluss möchte ich noch einen großen Dank aussprechen, und zwar an ein paar Twitter-Follower, die mich in den letzten Wochen mit hübschen und motivierenden Tweets erfreut haben. Danke für Euren digitalen Zuspruch und die Folge-Empfehlungen, alphabetismusBenjamin Rabe, Broxs_Cartoon, Captain Obvious, drosophila, Fruchtschaum, Madita Kohrt, Stinkstevel, Teena, Thorsten, TOM, Wiemenbluse, Yellö.
In diesem Sinne: Einen warmen Sommer mit viel Gänsehaut.

01.06.2015

Seltene Dekorationsartikel

Liebe Freunde fluoreszierender Vielfalt.
Was die Welt kostet, weiß ich nicht. Dafür weiß ich jetzt, wie viel das Glück kostet. Es sind fast überall neun Euro. Allein der Rotwein macht es etwas teurer. Und ich weiß endlich, was textliche Unzulänglichkeiten sagen - oder war Euch bekannt, dass schräge Formulierungen tatsächlich "scheiße" sagen können, wenn sie mit sich nicht zufrieden sind? Genau wie wir Menschen. Verrückt. Apropos unnützes Wissen: Im Herzen leben übrigens 140 seltene Dekorationsartikel und genießen die Vielfalt. Auch das war mir neu. Aber dann bin ich über einen Artikel gestolpert, und jetzt weiß ich endlich, was sich in dieser Unruhezone irgendwo in der Körpermitte so abspielt. Zugegeben, alltagspraktisch gibt es durchaus wichtigere Dinge, zum Beispiel die, die auf alles verzichten und unter Mänteln des Schweigens fluoreszieren. Falls Euch das alles nicht interessiert, habe ich hier noch den Killer-Tipp für schwierige Situationen:

21.05.2015

Überschätzte Unterforderungen

Liebe Freunde platter Publikationen.
Neulich küsste die Langeweile meine Neugier. Sowas führt mitunter zu schlimmen Orgien. Ich habe beispielsweise mal ein paar Textbrocken zusammengeklaubt und dann ein kleines E-Book daraus gemacht. Also kein richtig großes E-Book, vielmehr so ein kleines E-Bückchen. 34 Seiten oder so. Neun Geschichten und solche, die es mal werden wollten. Im Grunde nicht der Rede wert. Aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen diese Versatzstücke. Sie sind im Laufe der letzten drei Jahre alle hier erschienen. Es gibt ja mittlerweile unzählige Self-Publishing-Plattformen, und ich habe jetzt einfach eine ausprobiert. Schaut doch mal rein, entweder bei neobooks oder bei Amazon. Und ladet Euch das Ding runter, ist ja schließlich kostenlos. Ich freue mich über jede Art von Feedback, außer es ist doof. Erlaubt mir noch ein paar Sätze zum Hintergrund dieses ganzen Brimboriums:

01.05.2015

Wahrheitsbehauptungen vermeiden

Liebe Freunde klappbarer Pappplakate.
Habt ihr schon alle Alltagsirrtümer überprüft und weggedacht? Habt ihr schon alle beliebigen Verbindlichkeiten niedergemetzelt und ein Statement gegen überkommenes Denken gesetzt? Solltet ihr machen, anstatt mit Heiterkeit sämtliche Glaubwürdigkeit zu verspielen. Wie jeden Monat nerve ich euch hier wieder mit den neuesten Textverdunkelungen. Wenn ihr häufiger eine helle Portion Schwarzmalereien haben wollt, dann geht rüber in den anderen Kanal und folgt den Blackouts auf Facebook. Als Bonus gibt es ein klappbares Pappplakat für die nächste Beschwerdedemo. Es ist universell einsetzbar, denn wer möchte nicht gerne mal modern denken?
Ach so, noch schnell ein praktischer Tipp vom Experten, jetzt, da der Mai gekommen ist. Wenn mal wieder viel zu viel auf der To-Do-Liste steht, ändert nichts an der Liste, streicht einfach den Tag durch, schreibt "morgen" drauf und geht nach Hause. Sollte man nicht zu oft machen, aber mal ist erlaubt.
In diesem Sinne: Vermeidet Wahrheitsbehauptungen. Treibt wie ein angenehmes Leben verwahrlost umher und bastelt weiter an einer neuartigen Wundermaschine, mit der ihr angenehm funktionieren könnt. Wenn alles klappt, klebt etwas Hoffnung in der Bude. Und jetzt klickt euch weiter durch die tiefen, neunmalklugen Scheinsicherheiten.

01.04.2015

Geht´s noch oder läuft´s schon?

Liebe Freunde normaler Nichtgleichgewichtszustände.
Geht´s noch, oder läuft´s schon? Und sagt jetzt bloß nicht "geht gar nicht" - "geht gar nicht" geht gar nicht. Ich möchte mindestens ein "geht so" von euch hören. Noch besser wäre ein derbdurchschnittlliches Normcore-"geht". Das ist zwar noch weit entfernt von einem "läuft". Aber immer noch besser als dieses kapitulationsgetränkte, höchstniveaujammerige "geht so." Am schönsten wäre es natürlich, wenn ihr mir ein fröhlich-bewegtes "läuft" in die Ohren seufzt. Aber übertreibt bloß nicht, und kommt vor allem nicht ins Sprinten. "Es rennt" will ich nicht hören. Also: Zäh dahinfließende Geht-so-Typen nehmen die in diesem Beitrag präsentierten Textverdunkelungen bitte als dezenten Antriebsbeschleuniger (wahlweise als ausgebremste Selbstbestätigung), fluffig dahingleitende Weltwellensurfer und Läuft-schon-Typen nutzen die nicht verdeckten Botschaften für einen Moment des Innehaltens und sprechen bitte bei jedem Bildchen dreimal laut: Ich muss öfter mal pausen.
In diesem Sinne: Einfach mal ordentlich durchdrehen. Langsam bis vier zählen - und dann "Flash" oder "Crash". Hier erfahrt ihr, wie Störungen entstehen, was die Vernunft wirklich ist und wie man Genervtsein neu definiert. Lest, dass aus euch kein international anerkannter Top-Star wird - und was die Hoffnung sich nicht traut. Und für alle Zweifler da draußen gibt es ein Anti-Zweifel-Bonusbild, das ihr euch an die Wand hängen und bei jedem Anflug von Skepsis anschauen und laut vorlesen könnt, bis ihr endlich glaubt, dass alles super ist. Also: Trinken wir auf die unübersehbare Anzahl von Reaktionsfolgen, die sich Leben nennt und begegnen der Normalität des Alltags mit einem herzlichen, aber intensiv dahingerotzten "Du mich auch."

01.03.2015

Seeleninventur/ Helligkeitstourismus

Liebe Freunde frühlingualer Frische.
Die Sonne besucht uns wieder öfter. Noch ist sie nicht mehr als ein gelber Punkt am Himmel, der nur Helligkeit bringt. Bald kommt auch die Wärme dazu. Was gibt es da Besseres, als das eigene Lebensgefühl aus dem Winterschlaf zu holen, seine 1,2 Millionen Eigenschaften durchzuzählen und ein Highlight zu sein? Wem das nicht liegt, der kann sich auch als klare Botschaft für den Zweifel positionieren, oder die Tage wie Eintopf mit Brötchen verbringen. Auch lecker, hin und wieder. Yin und Yang, ihr versteht, YOLO und FOMO und wie der ganze Quatsch heißt. Vorhang auf für das dreckige Dutzend ultrafrischer und samtweicher Textverdunkelungen der letzten Wochen. In diesem Sinne: Bleibt im richtigen Leben und lasst euch von den Coolness-Anforderungen im Hipness-Wettbewerb nicht aus dem Konzept bringen ( - es sei denn, genau das ist euer Konzept.) Befreit euch nicht aus dem Kuddelmuddel der eigenen Lebensumstände, schließlich gehört ihr genau da rein. Habt Spaß, bleibt innovativ, nutzerfreundlich und unterhaltsam. Packt den Koffer und: Helligkeitstourismus. Und immer schön aufpassen, dass sich die Momente nicht ungewollt verlagern, das erhöht die Unfallgefahr.

11.02.2015

Statusmeldung ohne Link

Liebe Freunde polymorpher Pathologien.
Die Zeit mäandert durch den Tag. Es ist Zeit, dass sich das maändert. Hausschuhe schlurfen über das billige Parkett. Plüschiges Kratzen auf dem Kirschholzimitat. Ein Mann kommt ins Zimmer. Er hat eine lustige Frisur, die sich durch einen empfindlichen Mangel an Grazie auszeichnet. Die rötlich-gelben Haare struwweln in alle Richtungen, das Neonlicht schimmert in den Strähnen. Gebückt geht der Mann ein paar Schritte, parkt seinen Rollator neben dem Sofatisch und springt mit allem Schwung, den das Alter noch zulässt, auf den türkisgrünen Hochflorteppich. Die Knubbelnase presst sich aus seinem Gesicht wie eine Beule. "Bloß weil ich friere, ist noch lange nicht Winter", schreit ihm ein noch älterer, vollbärtiger Greis mit Hornbrille zu, der am Fensterbrett lehnt und mit goldenen Zitronen jongliert. "Ich könnte dein Vater sein, und du kannst es besser", sagt der Geronto-Hipster, schmeißt die Zitronen gegen die Wand und pfeift aus dem letzten Loch. Während der Alte so dasteht, in der Mitte des Raumes, schleichen weitere Gesichtsverknitterte mit ihren Instrumenten herbei, sorgen für Strom und beginnen ihr Spiel.

01.02.2015

Mehr vom Alten

Liebe Freunde labbriger Leitbilder.
Was sind eure Strategien gegen die unangenehmen Seiten der hartrealen Lebenswirklichkeit? Ich zum Beispiel suche mir immer aus, ob etwas richtig oder falsch war. Das sorgt für ein attraktiv-wohliges Eigengefühl. Und ein paar soziale Kollateralschäden nimmt man für eine gute Zeit in der gemütlichen Egoblase gerne in Kauf. Zwei Neuigkeiten vorweg, bevor ich euch mit den Schwarzmalereien des letzten Monats nerve. Erstens, Facebook: Ich habe mich entschlossen, Privates und Privates zu trennen und veröffentliche seit diesem Monat unregelmäßig einige Textverdunkelungen auf einer eigenen Seite jenseits des Selbstprofils. Falls Ihr Interesse habt, behochdaumt doch diese medaillenwürdige Seite und beobachtet, wie die Zeitung von gestern durch eure Timeline rauscht. Zweitens, Buch: Neulich habe ich mich mit Jan von GudbergNerger getroffen. Richtig, der tolle Mensch, der schon 2013 die Streichübungen für veröffentlichungswürdig hielt und in dessen Verlag das erste Büchlein erschienen ist. Für irgendwann im Sommer ist eine zweite Ausgabe geplant. Das heißt: Ihr könnt euch über Geburtstagsgeschenke für Herbst-/ Wintergeborene oder Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr einen Gedanken weniger machen. Wenn das kein Grund zum Lächeln ist. Und ihr wisst ja: Lächeln ist ein effektives und in der Regel schmerzlosen Beauty-Konzept.

19.01.2015

Tausend Tode

Liebe Freunde tödlicher Texte.
Es gibt Situationen, in denen es gar nicht schlimm ist, eine Nummer zu sein. Das hier ist so eine. Ich bin die Nummer 202, aber es ist ok. Sehr ok. Ich bin Teil von etwas Größerem. (Wie bescheuert sich das anhört, aber nicht anfühlt.) Es soll auch mal jemand die Nummer 1000 haben, wenn das Projekt beendet ist. Das Mammutprojekt von Christiane Frohmann, das in vier Schritten veröffentlicht wird und dabei immer weiter wächst. 1000 Autoren schreiben 1000 kurze Texte über den Tod. Teil eins mit 135 Texten kam im Dezember letzten Jahres, Teil zwei mit knapp 250 Texten erschien Mitte Januar. Der dritte Teil soll Ende Februar kommen, und der vierte, also die Komplettversion, ist für die Leipziger Buchmesse im März geplant. Straffes Timing. Oder in den Worten der Herausgeberin: "Nichts ist lebendiger als eine deadline."
Ihr könnt das E-Book zum Beispiel bei minimore kaufen. Oder in den altbekannten Virtuellgeschäften wie z.B. Amazon. Macht das mal, aus zwei Gründen: Erstens sind es wunderbar vielfältige Texte, und allein die Menge von Todesperspektiven macht das Ganze unglaublich lebendig. Zweitens kommt der Erlös komplett einem Kinderhospiz in Berlin zugute.

10.01.2015

Risikoanalyse

Liebe Freunde produktiver Pleiten.  
Ihr habt einen Plan, oder? Ihr wisst, was abgeht. 2015 ist das Jahr. Ihr werdet das Haus rocken. Wobei das natürlich jeder selbst definieren muss, was "rocken" heißt: vom geschmeidig statusbewahrenden Popschlager bis zum desaströsen Noisepunk ist da alles drin. Oder habt ihr doch keinen Plan? Lasst das alles erst mal auf euch zukommen, schaut einfach mal und seht dann weiter? Auch ok. Alles ok, außer Ignoranz. Für alle Planvollen und Verplanten, Zielstreber und Wegzehrer, Zukunftsgötter und Retrojünger gibt es jetzt eine kleine Hilfe. Experten haben nämlich die größten Risiken analysiert, die dieses Jahr auf uns zukommen. Das betrifft jeden, also bitte keine hipstermäßige Zielgruppenverweigerung heucheln. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der "Top-Risks 2015"-Studie findet ihr hier. Exklusiv und kostenlos. Nutzt die Gelegenheit zur Selbst- und Fremdsensibilisierung. Vielleicht wird sie euch nicht helfen, aber Schaden wird sie bestimmt nicht anrichten. Im Grunde wie ein Horoskop, nur seriöser. 

03.01.2015

Missglückte Glücksgeständnisse

Liebe Freunde antiquierter Ausblicke. 
Ich mag Jahresrückblicke nicht. Die machen schlechte Laune. Das Vergangene knabbert an den Zehen und ringt einem nur ein gealtertes Lächeln ab. Und das mit den guten Vorsätzen habe ich schon vor Jahrzehnten aufgegeben, als an einem verregneten Neujahrsmorgen die ganzen guten Vorsätze voll gebrochen und vollgebrochen im rotbraunen Böllerschmier auf der Straße lagen. Kein schöner Anblick. Seitdem biege ich mich immer um den idealen Zeitpunkt, bis ich mich fast darin spiegeln kann. Jedenfalls ist jetzt neues Jahr, und eigentlich geht ja alles immer weiter. Je mehr Erneuerung es gibt, umso mehr verblasst die Erinnerung. Deswegen klebe ich das Gewesene allmonatlich ins Digitale, genauer: auf die Server von Google. Die gab es noch nicht, als ich mit der Erinnerung angefangen habe, aber jetzt helfen sie mir beim Auslagern der eigenen Fragmente. Allerdings sind diese Lernkrümel längst nicht so spektakulär wie die von Artur. Ihr kennt Artur nicht? Dann solltet ihr euch "Das Polykrates-Syndrom" von Antonio Fian kaufen. Ganz schnell.