06.06.2014

Das wahre Leben des kleinen Mannes

Liebe Freunde kleinblumiger Realitätsromantik.
"Das Streichfett ist ranzig, Hansjörg." Ein Satz, so schön wie ein Hundehaufen in der prallen Sonne, mit einem kleinen Cocktail-Schirmchen mittendrauf. "Und der Kaffee ist auch zu dünn." Warum müssen die schönsten Sätze immer durch ihre Nachfolger kaputt gemacht werden? Warum können die nicht einfach stehenbleiben, wie auf so einer kleinen Insel, wo man nicht weg kann? Hansjörg saß am Küchentisch und beobachtete seine Frau, die sich an der Arbeitsplatte ein Brot schmierte, zwischendurch Kaffee schlürfte. Erst beschweren, aber dann trotzdem den Kaffee trinken. Dann konnte der Leidensdruck ja nicht so hoch sein. Draußen schien die Sonne. Sein Blick mäanderte durch den Garten, vorbei am Blumenbeet, bis nach hinten zum Zaun und darüber hinaus in die eigene Vergangenheit. Vorboten des Sommers. Seine Seele flog fernab jeder Routine im Kreis herum und wirbelte in den Himmel hinauf. Von oben betrachtet sah alles so anders aus, so klein irgendwie. Hansjörg seufzte.