01.12.2014

Fehlgeleitete Flippigkeit

Liebe Freunde hartrealer Weltkälte.
Endlich ist er weg, der November. Ein Monat zum Löschen. Wenn alles nur so halbgut erträglich ist, sage ich einfach "Luftballons!" Bald steht das Jahr wieder mal still und man zerrt sich die Schulter beim Jahresrückblick, während andere lamettabetäubt im Besinnlichkeitsstress baden. Erlaubt mir eine große Feierunwut und ein letztes Aufbäumen gegen die Welt und ihre kitschigen Launen. Der Tag geht, und Sachen, die dauern sind solche, die an Deutlichkeit abnehmen. Es läuft halt so, wie es läuft. Da kann der Lebensplan noch so sehr darauf beharren, dass es anders besprochen war. Wenn schon Idiot, dann wenigstens glücklich. Zumindest zufrieden. Verzeiht meine fehlgeleitete Flippigkeit. Sie ist einmal mehr auf höchstem Niveau überraschungsarm. In diesem Sinne: Luftballons! I ain´t give a shit.

03.11.2014

Giganten der Möglichkeit

Liebe Freunde dezenter Dunkelheit.
Der Herbst ist ein tolles Halbjahr. Wer noch keinen Soundtrack für diese Zeit hat, der möge sich bitte einmal "Last January" von The Twilight Sad anhören, während die Augen durch die präparierten Reste einer wehrlosen Wochendausgabe tropfen. Und ansonsten, tja, da tut sich einiges. Aber davon findet ihr hier nichts. Hier gibt es nur die altbekannten Anfängerfehler, beeindruckende Momente und Giganten der Möglichkeit. Hier könnt ihr nur darüber nachdenken, wie angeblich ihr euch verändert. Geht nach vorne, aber genießt die Dämmerungsherrschaft der Nostalgie. Lasst eure Glücksgefühle nicht vor dem Nirgendwo stehen, aber bietet ihnen auch nicht zu viele Sehenswürdigkeiten, denn dann kommt die Langeweile. In diesem Sinne: Leuchtet hell und habt rund um die Uhr keine Bedenken. Bald geschieht etwas Großes.

05.10.2014

Die Coolness wird müde

Liebe Freunde labiler Lebensfreude.
Uncool zu sein, ist gar nicht so schlimm. Viel schlimmer ist die halbe Müdigkeit, die sich auf die ganzen Tage legt wie abgestandener Frischkäse. Meine Arbeit besteht heute darin, diese Schwerübermüdung aktiv zu artikulieren. Wer bosslike alle Tricks beherrscht und mit geilen Aktionen kommt, die nicht jeder draufhat, sollte vielleicht mal weniger seine beseelte Lebensfreude zur Schau stellen, sondern einfach mal die Klappe halten und die Grenze zum Gelaber nicht überschreiten. Denn letztendlich ist das ganze große Gehirn doch nur ein besonders dickes Witzebuch, findet ihr nicht? In diesem Sinne: Scrollt euch durch die herbstlichen Blackouts, bleibt wach und deabonniert nichts, was Spaß macht. Rutscht beschwingt durchs letzte Quartal und überlegt euch schon mal ein paar gute Vorsätze.

09.09.2014

Das Rad der Tausend

(c) Post Growth Institute
Liebe Freunde abwendbarer Apokalypsen.
Kennt ihr das "Rad der Tausend"? Noch nicht? Es wird bald euren Alltag verändern. Mit dem Eco-Health-Beschluss haben Gesundheits- und Umweltministerium 2019 versucht, zwei Probleme mit einem Schlag zu lösen: die ausufernde Fettleibigkeit der Menschen und die steigenden Energiekosten. Das Wirtschaftsministerium hatte sich auch sehr über diesen Vorstoß gefreut, aber der Minister war damals leider zu träge, selbst die Initiative zu ergreifen. Er zeigte sich als "entschiedener Unterstützer" dieses Projektes und heftete sich die indirekten Lorbeeren ans Revers seines maßgeschneiderten Übergrößenanzugs. Das Rad der Tausend war nicht die Lösung aller Probleme, es war vielmehr die Folge einer verkorksten Energiepolitik. Und wie bei allen Folgen verkorkster Politik mussten alle Menschen mit den Konsequenzen leben, nicht nur das lächerliche Drittel, das diejenigen Volksvertreter wählte, die verkorkste Politik machten. Alle.

16.08.2014

Überaus überraschend

Liebe Freunde übersichtlicher Überraschungen.
Raus aus dem Sommerloch und hinein in die Frischezone. Vor einigen Wochen war ich beruflich in der Nähe von Lüneburg und durfte dort auf einem Landgut übernachten. Beim Frühstück stieß ich auf ein Magazin, das charmant aus der Fülle ausliegender Blättchen hervorstach: Das Über-Magazin. Könnt ihr euch mal anschauen, sehr nett gemacht. Und auch für schwarzmalerische Ansprüche eine Fundgrube versteckter Botschaften. Über "Ordnung", den Schwerpunkt dieses Heftes, habe ich in den folgenden Miniaturen zwar nicht bewusst gestrichen, aber ihr findet bestimmt Referenzen. Schafft ihr doch immer. Hier erfahrt ihr, welchen Anspruch der Schwachsinn eigentlich hat, was in der Bremszone auf uns wartet und was menschliche Körper an einem bestimmten Punkt machen. Außerdem teile ich mit euch nicht weniger als die Weltformel. In diesem Sinne: bleibt überragend und vermeidet zuviel Übersichtlichkeit. Lasst euch überraschen und überrascht selbst, damit nicht jeder Tag aussieht wie Eintopf mit Brötchen.

01.08.2014

Realitätsklarheit und Wohlseinswandel

Liebe Freunde schattiger Sommerlöcher.
Neulich bin ich ins Sommerloch gefallen. Das tat gar nicht weh. Da bin ich immer noch drin und habe beschlossen, hier für einige Zeit meine Zelte aufzuschlagen. Es ist gemütlich, mein Kopf liegt federleicht im Schatten des Alltags. Aber bevor ich das Daunenhirn noch weiter nicht beschäftige, belästige ich euch mit ein paar Ausstreichbildchen der jüngeren Vergangenheit. Hier erfahrt ihr, was Pinselohrschweine am Flughafen machen, dass "Laborbedingungen" etwas anderes sind als "Laborbedienungen" und zu welcher Tageszeit die Realitätsklarheit gar nicht so wichtig ist. Lest, welche Farbe die Coolness bestimmter Leute hat, lernt Strategien für den Umgang mit unguten Gefühlen. Und einen Tipp vom Profi gibt es obendrein. In diesem Sinne: Findet euer Sommerloch und genießt das zögerliche Potenzial der ungefähren Tage.

01.07.2014

Das Wissen von oben

Liebe Freunde versternter Botschaften.
Euer Horoskop für Juli ist fertig. Darauf habt Ihr doch sicher schon so sehnlich gewartet wie auf einen Gummistiefeldichtetest im Hochsommer. Oder auf die in Schlauverkleidung daherschmierenden Analysefragen selbstverliebter WM-Reporterdarsteller. Aber es ist nun eben so: auf viele Dinge wartet man nicht, die geschehen einfach. Ich freue mich also Euch mitteilen zu dürfen, dass die handgefilterte Sternenbotschaft für die meisten in diesem Monat nur Gutes verheißt. Grundsätzlich gilt die Oberweisheit: Alles wird gut, phantastisch und schön - die Frage ist nur, wann und für wen? In diesem Sinne: Sprecht nicht zu viel von der Arbeit, verzettelt Euch, erschwert Euch nicht mit Diätfantasien und findet jede Möglichkeit. Vielleicht bringen aufgeschlossene Wunder eine Wohnungsrenovierung.

06.06.2014

Das wahre Leben des kleinen Mannes

Liebe Freunde kleinblumiger Realitätsromantik.
"Das Streichfett ist ranzig, Hansjörg." Ein Satz, so schön wie ein Hundehaufen in der prallen Sonne, mit einem kleinen Cocktail-Schirmchen mittendrauf. "Und der Kaffee ist auch zu dünn." Warum müssen die schönsten Sätze immer durch ihre Nachfolger kaputt gemacht werden? Warum können die nicht einfach stehenbleiben, wie auf so einer kleinen Insel, wo man nicht weg kann? Hansjörg saß am Küchentisch und beobachtete seine Frau, die sich an der Arbeitsplatte ein Brot schmierte, zwischendurch Kaffee schlürfte. Erst beschweren, aber dann trotzdem den Kaffee trinken. Dann konnte der Leidensdruck ja nicht so hoch sein. Draußen schien die Sonne. Sein Blick mäanderte durch den Garten, vorbei am Blumenbeet, bis nach hinten zum Zaun und darüber hinaus in die eigene Vergangenheit. Vorboten des Sommers. Seine Seele flog fernab jeder Routine im Kreis herum und wirbelte in den Himmel hinauf. Von oben betrachtet sah alles so anders aus, so klein irgendwie. Hansjörg seufzte.

13.05.2014

New Business Blackout

Liebe Freunde neuer Realitäten.
Wenn ich nur ein Wort hätte, um unsere heutige Wirtschaft zu beschreiben, vielleicht wäre es Größenwahn. Vielleicht aber auch Veränderung. Die VWL lehrt Zeug, das nicht mehr wirklich in die Zeit passt. Es tut sich gerade eine ganze Menge. Karrierevorstellungen werden anders definiert. Zeit, Sinn und Verantwortung sind die neuen Statussymbole. Start-Ups wirbeln die Wirtschaft durcheinander und bringen etablierte Unternehmen in die Bredoullie, die noch versuchen, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts mit Lösungen aus dem 20. Jahrhundert zu begegnen. Aber darüber will ich gar nicht schreiben. Das haben andere gemacht, gut und ausführlich. Lena Schiller-Clausen und Christoph Giesa haben in ihrem Buch die "New Business Order" schön beschrieben. Was ich eigentlich sagen will: Viele blenden Veränderungen aus und ich dachte, das kann ich auch. Also jetzt nicht Ausblenden im kognitiven Sinne, sondern im visuellen, auf dem Papier. Ich habe Lena versprochen, ein paar Striche und Balken in ihre Texte zu malen. Aber in einem Buch rumzukritzeln, löst bei mir so eine innere Sperre aus. Ich hatte früher schon große Probleme damit, meinen Namen in ein Buch zu schreiben. Also habe ich willkürlich ein paar ungerade Seiten ausgedruckt und bemalt. Hier seht ihr das Ergebnis. In diesem Sinne: Werdet Vielfalt, verteilt eure Gedanken und teilt das Unverständliche. Sucht Stolpersteine und setzt mit perfekten Fehlern neue Maßstäbe.

16.04.2014

Die Relevanz der Enttäuschung

Liebe Freunde progressiver Praxiserfahrung.
In seinem wunderbaren Werk "Der Schaum der Tage" schreibt Boris Vian: "Die hellsten meiner Tage verbringe ich damit sie zu verdunkeln." Das kann man ja auch auf Zeitungsartikel übertragen. Ihr wisst also, was euch erwartet. Wenn wir eins nicht losweden können, dann die Zukunft. Sie wühlt sich durch die Erde und schaufelt die Gegenwart nach hinten, unermüdlich. Was treibt sie an? Und was geschieht mit der Hoffnung, wenn einem die Ratlosigkeit aus der Hosentasche rutscht? Warum ist es eigentlich nicht erstrebenswert, normal zu sein? Hier gibt es wieder mal keine Antworten, sondern nur das sonderbare Aroma qualifizierter Fehlentscheidungen. In diesem Sinne: macht euch Notizen und werft viel Licht, dann wird der Schatten weniger.

08.04.2014

Licht (Basislage II)

Die Tage werden länger und heller. Ich schaue in die Sonne, klappe die Lider herunter und starre auf die dünne, rote Wand meines inneren Auges. Die Haut ruft einen Namen, und ich bin mir nicht sicher, was das Vibrieren bedeuten soll. Mein Gesicht kenne ich nur aus dem Spiegel. Und aus dem Lächeln in Laras Augen. Dann und wann wische ich mit der Hand hindurch und frage mich, ob diese Texturen wirklich meine sind. Die Erde zittert. Vielleicht sind es auch nur die Medikamente. Lara sagte, ich solle mich nicht so anstellen. Komm wieder runter, sagte sie. Ich weiß gar nicht wie das gehen soll: sich erden. Meine Beine schütteln den Kopf und stehen fest in der Luft. Lara sagte das wie jemand, der längst woanders ist. Wie jemand, der vergessen will. Der Körper besteht zum Großteil aus Wasser. Ich kann die Wellen spüren, wie sie von innen gegen die Haut klatschen und nicht raus können, niemals etwas überfluten werden. Dieses ewige Gejammer vom Gefangensein. Ein kleiner Schnitt, und das Jammern hört auf. Die Grenze ist geöffnet, und die Freiheit tröpfelt zu Boden. Es ist ein warmer Tag, ich friere noch nicht.

03.03.2014

Blackout-Wimmelbild

Liebe Freunde geballter Botschaften.
Ist das Leben erschreckend selbstverständlich? Oder ist es selbstverständlich erschreckend? Dieser Frage widme ich eine ganze Themenseite - und lasse sie dabei gänzlich unbeantwortet. Alles hängt von der Leserichtung ab. Ich habe ja nun schon eine Menge Blackout-Poems gemacht und finde nach wie vor, dass es eine sehr meditative Form von Altpapierverwertung ist. Aber immer bleibt ein Rest. Nicht jeder Artikel hat die Qualität, versteckte Botschaften ans Tageslicht zu bringen. Und wenn´s gut läuft, finde ich einen, auch mal zwei Ausstreichgedanken pro Text. Der Rest bleibt Altpapier. Aber jetzt habe ich es endlich geschafft, einen Text zu 100 Prozent zu recyclen. Ein Artikel im Hamburger Abendblatt, der unser zwiegespaltenes Verhältnis zu diesen kleinen Taschencomputern beleuchtet, lieferte die Wörter dazu. Zugegeben, nicht alle Blackouts würden die Qualitätskontrolle überstehen, aber dieses Wimmelbild gibt es nur als Gesamtpaket: Auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden. In diesem Sinne: Findet euch. Und findet euch zurecht. Wischt der Hoffnung Lichtflecken auf die Gesichter, geht ran, wenn Rätsel klingeln und verliert euer Ladekabel nicht. Es ist der Weg zum Glück.

06.02.2014

Der Stein der Weisen und die Seifenblase

Liebe Freunde inoffizieller Wirklichkeiten.
Wie ihr vielleicht wisst, besteht mein Mentalyoga darin, mir unzusammenhängende Wörter in irgendwelchen Zeitungsartikeln anzuschauen. Daher möchte ich euch heute mal wieder mit visuellen Varianten der Verbalität belasten. Ihr erfahrt in dieser Ausgabe der bunten Altpapierverwertung unter anderem, was der Stein der Weisen in seiner Freizeit so macht, warum man sich nur in kleineren Mengen erfahren sollte und wie man Erinnerungen am besten lagert.
In diesem Sinne: Hüpft mit aufgespanntem Regenschirm gegen den Wind und habt Spaß. Sammelt die inoffizielle Version der Wirklichkeit weiterhin in euren Träumen und vor allem: stärkt ein Klischee.

08.01.2014

Andere Jungen, andere Drachen

(c) Benjamin Rabe/ nonuts.de
Liebe Freunde steuerbarer Himmelskörper.
Der Herr Benjamin Rabe malt öfters ganz einfach die besten Sachen. Ich schreibe da nur hinterher. Zum Beispiel dieses Bild hier: The other boy´s kite. Was es damit wohl auf sich hat? Ich weiß es nicht, ich ahne nur einen seidenen Faden entlang in die dünne Luft hinein. Vielleicht ...