08.07.2013

Tyrannei des Transparenzterrors

Liebe Freunde radikaler Durchsicht.
Ich mag Nebel. Er hat etwas Geheimnisvolles, Unwirkliches, Gedämpftes. Damit meine ich den Naturnebel, der die Welt milchig und weichgezeichnet erscheinen lässt, nicht die echten oder metaphorischen Nebelkerzen, die jemand zündet, um mich über irgend etwas im Unklaren zu lassen. Womit wir auch schon beim Thema wären: der vollumfänglichen Nebelreduktions-maschine namens Transparenz. Der Philosoph Byung-Chul Han sagt, dass Transparenz das Vertrauen abschaffe und das soziale System auf Kontrolle umstelle. Steile These, aber nachvollziehbar. Man denke nur an die emotionale Grundreizstimmung und den ganzen sozialen Jähzorn, der in den Shitstorms seine Enttäuschungsventile findet. Transparenz ist häufig Auslöser für kollektive Wut, äußerst selten für kollektive Freude. Oder wann habt ihr zuletzt von einem Candystorm gehört?