25.01.2013

Ein früheres Leben

Liebe Freunde unverhoffter Retroinjektionen.
Ich bin ein Freund von Ordnung und Struktur, und es ist mir gerade deshalb wichtig, weil ich das manchmal nicht so gut praktiziere. Ich spreche vom Aufräumen, vor allem vom digitalen Aufräumen. Immer, wenn ich von einem Rechner zum nächsten gezogen bin, habe ich nur äußerst rudimentär die Festplatte strukturiert - und dann alles ab in die externe Speicherung. Neulich habe ich was gesucht, und wie es dann immer so ist, findet man nicht das Gesuchte, dafür aber hundertfach irgendwelchen anderen Kram. Dateien haben ja ein Speicherdatum, das macht die Verortung etwas leichter als bei Erinnerungen oder Papierfetzen. Da ist meist kein Datum reinimprägniert. Heute möchte ich euch weniger mit Worten, sondern mit Bildern langweilen. Und die, die ich nicht gesucht, aber gefunden habe, stammen alle so um die Jahrtausendwende. (Yeah! Das wollte ich immer schon mal sagen. Klingt irgendwie archäologisch). Damals war ich noch jung, und jetzt bin ich mehr als 10 Jahre weniger jung. So ist das. Da müssen wir durch und tragen es mit Fassung. Naja, ins Netz damit. Möge es der Kurzweil dienlich sein. Für mich ist es Vergangenheitsbewältigung. Herrliches Schwelgen. Mir fällt schon wieder ein Zitat von Karl Valentin ein. Sorry dafür, ich kann nichts dagegen tun: "Heute mache ich mir eine Freude und besuche mich selbst." Also, kommt mit, ich mache mich nackig.

09.01.2013

Der große Lauf

Liebe Freunde schneller Schritte.
Korff blickt zu Boden, atmet tief ein, wieder aus, wieder ein. Schüttelt Arme und Beine. On your marks. Er geht ein paar Schritte nach vorne, klatscht sich mit beiden Händen mehrmals auf die Oberschenkel. Springt ein, zwei, drei Mal in die Luft, kniet nieder und ruckelt sich im Startblock zurecht. Seine engen Augen suchen das Ziel, finden aber nur eine rotbraune Spur, die sich in einer Linkskurve verliert. Weiße Markierungen. Die Frage, wo in einem Kreis der Anfang und wo das Ende ist, irritiert ihn. Er bläst sie mit einem langen Atemstoß aus sich heraus und weit weg. Das Ziel ist ist nur 20 Meter entfernt, liegt hinter ihm. Aber er wird nach vorne laufen müssen, so sind die Regeln. In weniger als einer Minute wird alles vorbei sein.

08.01.2013

Das Glück der schlechten Laune

Liebe Freunde fröhlicher Resignation.
Neues Jahr, neues Glück. Sagt man doch so, oder? Nach dem ganzen Besinnlichkeitsstress und mitten hinein in die Januar-Aufbruchsstimmung und die möglicherweise noch unbefleckte Weste der ganzen guten Vorsätze geht der erste Gruß des Jahres an alle unglücklichen Seelen und pessimistischen Schwarzmaler dieser Welt: macht weiter so! Ohne euch macht das Leben keinen Spaß. Lasst euch die schlechte Stimmung nicht von den Gute-Laune-Jüngern verderben, die im Optimismuswahn von der Kraft des positiven Denkens schwärmen. Schluss mit Glückstyrannei und rosaroter Lufthol-Propaganda, die uns ins linke Ohr flüstert, wie schön das Leben ist und ins rechte schreit, dass wir selbst die Schuld tragen, wenn wir das nicht verstehen. Wie bitte? Glücklich sein sei ein Lebensziel? Auf den Zwischenruf habe ich gewartet, vielen Dank. Um das mal klarzustellen: Wer glücklich ist, ist unproduktiv.