02.12.2013

Basisbanalitäten und die Frage aller Fragen


Liebe Freunde des besten Lebens.
Während ein leichter Nebel im Dunst der Radargeräte knistert, möchte ich euch mit ein paar neuen Blackouts unterfordern. Seid ihr auch hin und wieder so zufällig im Alltag? Stellt ihr euch auch manchmal so Fragen? Zum Beispiel was man zu Problemen sagt, die nie ohnmächtig werden? Oder was wir neben Glück und Geld sonst noch so brauchen? Hier bekommt ihr die Antwort. Und noch mehr. Erfahrt, wie viele Gedanken nicht in eurem Kopf sind und was ein ordentlicher Prokrastinator zum Mittag möchte. Findet heraus, womit sich die Zeit große Mühe gibt, mit welchen Problemen die Pläne für mehr Bewegungsfreiheit zu kämpfen haben und mit welchen Worten die Zukunft läutet. In diesem Sinne: Zerstreut euch, versinkt nicht und verirrt euch in die richtigen Ideen.

14.11.2013

Ein Extra-Leben

Liebe Freunde toller Technologien.
Dieses Internet, hach. Unbegrenzte Möglichkeiten. Für jeden Quatsch gibt es eine Spielerei oder eine neue Bequemlichkeit, um die Zeit totzuschlagen, bevor sie einen totschlägt. Da gibt es einen Status-Generator, der einem auf Basis seiner vergangenen Postings einfach neue Statusmeldungen bei Facebook generiert. So muss man nicht die Klappe halten, auch wenn man mal nichts zu sagen hat. Da gibt es eine kleine App, mit der man seinen Avatar selbst zum Helden in kleinen Comicstrips machen kann. Und gestern bin ich über ein Programm gestolpert, mit dem man auf einfache Weise kleine Drehbücher schreiben kann, die dann sofort in animierte Filmchen umgesetzt werden. Das Ganze ist noch etwas holprig, wirkt sogar etwas hölzern, aber es ist ja auch nur eine Beta-Version. So wie alles nur ein vorübergehendes Stadium auf dem Weg zur kontinuierlichen Optimierung ist.

07.11.2013

Der sichere Weg

Liebe Freunde planloser Perfektion.
Plant Ihr noch, oder lebt Ihr schon? Unsicherheit ist die Lebensbedingung Nummer eins, da nützt auch kein Supergrundrecht auf Sicherheit. Weder im Großen noch im Kleinen. Integrieren wir doch das Unplanbare in unsere Planung und vermeiden Zweifel, Überschätzung und Scheinsicherheiten. Die Welt will halt nicht immer so wie wir wollen. Hieß es früher noch in Ausnahmefällen "Ich kriege die Krise", so muss es heute in der Ära der Megakrisen und Dauerunsicherheiten heißen "Ich kriege den Normalzustand." Tasten wir uns vorsichtig in die nächste Zukunft und schauen, was geschieht. Warum fällt uns das so schwer? Es ist Zeit für klare und unzensierte Bekenntnisse, für Kleinigkeiten, über die wir zufällig stolpern und für das Glück als Masterplan. Und warum die Menschen zufrieden sind, darüber rätseln die Lebensumstände. Bitteschön, hier vier neue Wegstreichbildchen, drei davon zum Thema Planung. Das war keine Absicht, das hat sich so ergeben. Was kann ich dafür, dass mir solche Artikel in die Hände fallen. In diesem Sinne: Plant die Planlosigkeit, sie wird Euch weit bringen.

14.10.2013

Leichtgängige Lebensweisheiten

Liebe Freunde knackiger Kalendersprüche.
Na? Sägt euch die herbstliche Hektik ins Standbein? Oder tragt ihr noch die Gelassenheit des Sommers mit euch herum und habt den verregneten Frühling bereits vergessen? Es geht alles so schnell, richtig? Und immer haben wir keine Zeit. Ihr kennt das: Too long, didn´t read. "Was bringt mir das?" ist die Frage, die an alles gerichtet wird, das Aufmerksamkeit beansprucht. Der Aufwand möchte bitte im Verhältnis zum Ertrag stehen, und der kleine Verstand möchte bitte aus dem Kinderparadies abgeholt werden. In diesem Sinne will ich euch gar nicht lange von den sogenannten wichtigen Dingen abhalten oder euch bei zeitraubender Optimierungsprokrastination stören. Stattdessen gestattet mir den Versuch mit ein paar leichtgängigen, schlagzeilenintelligenten  Lebensweisheiten für den unbeschwerten Außer-Haus-Verzehr zu langweilen. Ganz nebenbei und bei Bedarf völlig unwichtig. Vielleicht schaffe ich es noch 360 weitere Sprüche abzusondern, dann gibt es einen schicken Abreißkalender für die nächste Zukunft. Wahrscheinlich aber nicht. Too long, didn´t manage. Hört ihr das Klingeln, das die letzte Runde einläutet? Den Countdown zum dezembrigen Besinnungsstress? Auf in den Jahresendspurt, es ist noch Luft nach oben.

25.09.2013

Drunter und drüber

Liebe Freunde versteckter Botschaften.
Das war groß. Mitte September durfte ich meine Blackouts im Rahmen des Kulturfestivals Neustadt zeigen. Ein paar Impressionen aus der Galerie Gudberg findet ihr hier. Noch größer war, dass die Besucher die Ausstellung zur besten Kunstaktion gewählt haben. Aber am größten war, dass so viele Leute selbst den Stift über die Wand gezogen haben. Denn weil reine Konsumhaltung irgendwie blöd ist, haben wir die Galerie mit Zeitungsartikeln beklebt und ein paar Stifte an die Wand gehängt. (Danke, Danika, fürs Ausschneiden!) So konnten sich alle Interessierten mit eigenen Ausstreichungen verewigen. Das Ergebnis möchte ich euch hier präsentieren. In diesem Sinne, vielen Dank für Besuch, Beteiligung und Abstimmung!

09.09.2013

Mir doch egal

Liebe Freunde lässiger Gleichgültigkeit.
Mitten hinein in die Wiedereingliederungshärte eines durchschnittlichen Montags werfe ich meine 10 Cent zum Thema Gleichgültigkeit in eure vom Wochenende gegerbten und berufsmäßig vielleicht noch desinteressierten Gesichter. Über den "Nullpunkt des Sozialen" wurden schon einige Gedanken verloren. Ich muss nicht nochmal aufwärmen, dass Gleichgültigkeit weder Gelassenheit noch Toleranz meint, sondern Desinteresse, Abstumpfung und Ablehnung. Ignoranz ist ein vortrefflicher Relevanzfilter. Man kann sich ja nicht für alles begeistern. Gelegenheitsgleichgültigkeit ist lebensnotwendig. Aber muss man deswegen gleich zu allem, was außerhalb der eigenen Lebensrealität herumschwebt, "mir doch egal" sagen? Muss man jedem potenziellen Aufrüttler ein "You cannot imagine the immensity of the fuck I do not give." entgegenschreien? Muss man sich die Mühe machen, seine schwere Genervtheit mit einem Link zu unterstreichen? (Exit-Option: Bereits jetzt schwer Genervte klicken bitte nicht auf "weiterlesen.")

13.08.2013

Weltzeitfressertag

Liebe Freunde erhabener Effizienz.
Heute ist Weltlinkshändertag. Aber das reicht mir nicht. Die Politik macht uns vor, dass wir einfach Sachen behaupten können - und dann sind sie auch so. Die performative Kraft der Sprache baut die schönsten Luftschlösser. Soll ich vormachen? Heute ist Weltzeitfressertag. Wenn ihr also gerade nichts Besseres zu tun habt, verschenkt kostbare Minuten und lasst uns gemeinsam der Spezies der Zeitfresser gedenken.
Zeitfresser sind, wie der Name ja schon suggeriert, böse. Sie hindern uns, Dinge zu tun, die wichtig oder dringend sind. Zeitfresser sind die kleine Schwester der Prokrastination, die Parasiten des Multioptionalen, die Zerstörer der Produktivität, die Drogen der Drögen, die Erbsen unter den Matratzen der Effizienz. Zeitfresser sind Katzen, die vorne schmeicheln und hinten kratzen, denn während wir im jeweiligen Moment Spaß an der Ablenkung finden, fällt uns retrospektiv auf, dass wir gerade eben mit dem hinterletzten Blödsinn kostbare Zeit vergeudet haben. Zeit, die nicht wiederkommt. Einfach weg.

01.08.2013

Schwarzgemalte Zukunft

Liebe Freunde plumper Prognosen.
Horoskope sind schön. Sie geben uns Leitplanken für den Tag, oder, wenn ein neuer Monat anbricht, sogar für die nächsten vier Wochen. Horoskope machen die nahe Zukunft greifbar, sie lassen uns ahnen, worauf wir uns einstellen müssen, weil sie uns Erwartungsmöglichkeiten anbieten, weil sie uns eine Interpretationsangebot für das machen, was auf uns zukommt. Sie geben uns Sicherheit und stillen unser Bedürfnis nach Vorhersagbarkeit, das gerade in einer turbulenten und unsicheren Zeit immer größer wird. Sie geben uns Hoffnung, drohen uns kaum und die niedrigschwelligen Handlungsempfehlungen helfen bei der Gestaltung der nächsten Gegenwart. Horoskope sind universell, denn für jeden ist etwas dabei, das man auf die eigenen Lebensumstände anwenden kann. Das macht sie so herrlich unspezifisch-konkret. Trotzdem lesen die meisten diese schlagzeilenintelligenten Bausatz-Weisheiten eher aus einer kurzweiligen Lust an trashigem Minuten-Entertainment. Oder nehmt ihr das etwa ernst?

08.07.2013

Tyrannei des Transparenzterrors

Liebe Freunde radikaler Durchsicht.
Ich mag Nebel. Er hat etwas Geheimnisvolles, Unwirkliches, Gedämpftes. Damit meine ich den Naturnebel, der die Welt milchig und weichgezeichnet erscheinen lässt, nicht die echten oder metaphorischen Nebelkerzen, die jemand zündet, um mich über irgend etwas im Unklaren zu lassen. Womit wir auch schon beim Thema wären: der vollumfänglichen Nebelreduktions-maschine namens Transparenz. Der Philosoph Byung-Chul Han sagt, dass Transparenz das Vertrauen abschaffe und das soziale System auf Kontrolle umstelle. Steile These, aber nachvollziehbar. Man denke nur an die emotionale Grundreizstimmung und den ganzen sozialen Jähzorn, der in den Shitstorms seine Enttäuschungsventile findet. Transparenz ist häufig Auslöser für kollektive Wut, äußerst selten für kollektive Freude. Oder wann habt ihr zuletzt von einem Candystorm gehört?

05.06.2013

Etwas fehlt

Liebe Freunde des leisen Lichts.
Der Tagesanbruch als Gute-Nacht-Routine. Helligkeit, die sich in den Kopf fräst und dort auf den Synapsen herumtrampelt. Der letzte große Fang. Vielleicht kommt euch die Geschichte bekannt vor. Es gibt sie bereits auf englisch. Mein Experiment zu Jahresbeginn. Die Idee, zu einem Bild eine Geschichte zu schreiben. Mich juckte es in den Fingern, den Kreis wieder zu schließen und die Geschichte zurück in die Muttersprache zu bringen. Das war eine sehr interessante und nicht ganz einfache Erfahrung. Jetzt heißt "Unfinished Sympathy" eben "Etwas fehlt" - und ein paar kleine Veränderungen habe ich auch vorgenommen. Damit ist dieses Experiment abgeschlossen. Back to the next. Herausforderungen gibt es genug, und der Sommer ist kurz. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr hier unten die deutsche Version lesen. Viel Vergnügen. In diesem Sinne: Verschenkt ein kleines Stückchen eures Herzens. Passt auf euch auf. Die Tage werden länger, aber steigt damit auch die Ausdauer? Das Blut rauscht ein wenig wärmer durch die Adern, der Weg ist weit, die Füße sind klein und die Helligkeit wird euch hoffentlich nicht blenden.

03.05.2013

Blackouts an hellen Tagen

Liebe Freunde lichter Schwarzmalerei.
Die Tage werden länger. Ist das nicht schön? Da braucht es eine textliche Sonnenbrille, um die hellen Strahlen zu verdunkeln, die uns als Spontanfrühling die Pupillen verkleinern. Will sagen: Es gibt ein paar neue Blackouts. Nehmt sie entgegen als vorsommerliches Geschenk, als Sinnelement, Orientierungsort und greifbarer Strohhalm für die tägliche Weltbewältigung. Erfahrt, wie teuer die Wahrheit ist, wann die Vergangenheit beendet sein wird und was in Hinterköpfen so alles passieren kann. Außerdem schenke ich euch den Zugangscode zu den Schatzkammern der Zeit. Und sofern ihr die "alten" Blackouts noch nicht kennt, empfehle ich euch dringend das Lesen dieses Begleittextes und den Kauf dieses Büchleins. Es macht euch bestimmt nicht zu einem besseren Menschen, das habe ich im Selbstversuch ausprobiert. Aber es gibt euch neue Mentalreserven. In diesem Sinne: vorwärts in die neuen Zeiten. Es bleibt alles anders. Bitte vernachlässigt eure Atemübungen nicht.

02.05.2013

Universaldilettantismus jetzt!

Liebe Freunde des grotesk Großen.
"It´s not the size of your pencil, it´s how you write your name." Gut, John Holmes war Pornodarsteller, und diese Aussage bezog sich offensichtlich auf sein Arbeitsgerät. Aber das heißt nicht, dass dieser Satz keine Gültigkeit hätte. Heute ist alles messbar, Big Data ist das Stichwort. Und Daten fallen genug an. Laut OECD produzieren 20 Haushalte mit durchschnittlicher Breitband-Nutzung heute genau so viel Datenverkehr wie das gesamte Internet im Jahr 1995. Alles, was messbar ist, muss sich vergleichen lassen. Früher hieß das "mein Haus, mein Auto, mein Boot." Heute dann eher: "Meine Unique Visitor, meine Follower, mein Klout-Score." Same shit, different bucket. Mal ehrlich, Freunde, ist das cool? Ist DAS cool? Seid ihr cool? Wer auf dicke Hose macht, muss mit Lachern rechnen, wenn der Inhalt nicht den Erwartungen entspricht. John C. Holmes hatte zumindest dieses Problem sicher nicht.

22.04.2013

Gigantische Gegenwartsschrumpfung

Liebe Freunde wartungsfremder Echtzeit.
Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir mit Schlafen. Wir hängen 12 Jahre vor der Glotze, sind fünf Jahre mit Essen beschäftigt und verbrauchen 3.600 Rollen Klopapier. Über jeden Scheiß gibt es eine Statistik. Aber wie viel Zeit verbringen wir eigentlich mit Warten? Darüber habe ich nichts gefunden. Vielleicht habe ich auch nur unklug recherchiert. Gefühlt warten wir doch täglich stundenlang: vor dem Rechner, an der Kasse, auf dem Bahnsteig, beim Arzt oder auf die Servicekraft im Restaurant, die im Englischen ja bekanntlich "waiter" heißt. Vom Warten auf die große Liebe oder den Sechser im Lotto spreche ich jetzt gar nicht, das wäre ein wenig unkonkret und läuft bei den meisten Menschen eher als vage Hoffnung nebenher. Wartet mal einen Moment, ich rechne eben nach. Bei 80 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung und, sagen wir, einer täglichen Wartezeit von 30 Minuten ergibt das 876.000 Minuten, also so ungefähr 18 Monate. Eineinhalb Jahre warten, das geht ja fast noch. Aber im Grunde ist die Zahl ziemlich schwammig, denn jede/r wartet ja auf etwas anderes. Was für den einen langweiliges Warten ist, verbucht die andere als effiziente Zen-Meditation. Deswegen gibt es wohl auch keine Statistik darüber.

05.04.2013

Made in Space

Liebe Freunde kongenialer Kollaboration.
Ich bin um eine Erfahrung reicher. Wer noch einmal sagt, Schreiben sei ein einsamer Prozess, dem schwinge ich die Keule der Kollaboration und lasse Benjamin dazu mit dem moralischen Finger die passende Illustration malen, während Valentin parallel an einem Antisolitär-Satz feilt. Was das für eine Erfahrung war, wollt ihr wissen? Eine sehr, sehr gute: Gemeinsam gleichzeitig eine Geschichte schreiben und illustrieren. Das Ergebnis dieser dreistündigen Schreib- und Illustrations-Session ist "Made in Space." Viel Spaß beim Lesen. Dabei hatten wir anfangs überhaupt keinen Plan. Also haben wir erst einmal ein Bier aufgemacht. Dann brachte Benjamin "Bunny & The Beardman" ins Spiel. Der erste mag Chrom, der zweite eher Holz. Und dann haben wir losgelegt, ohne so genau zu wissen, was und wie. Einfach machen. Ein Satz, dann noch einer, dann ein Bild, dann weiter. Und immer weiter. 

02.04.2013

Prinzessin Wut läuft Amok

(c) Benjamin Rabe/ nonuts.de
Liebe Freunde kleinkindlicher Wutanfälle.
„Was heißt Amok, Papa?“
Tochter II saß auf dem Fußboden ihres Zimmers und holte tief Luft. Ihre Atmung hatte sich noch nicht ganz wieder normalisiert. Die Haare hingen ihr ins knallrote Gesicht, die Augen waren tränenverschmiert. Wo vorhin ein Fußboden war, lag jetzt eine Decke aus Puppenkleidern, Stiften, Legosteinen, Autos und noch einigem anderen Kram, der vorher in Regalen oder Schubladen einen aus Elternsicht ordentlichen Platz hatte.
Ich saß auf dem Bett, betrachtete das Durcheinander und bereute meine laut vorgetragene Aussage von vorhin, sie solle endlich aufhören Amok zu laufen. Das steht in jedem Ratgeberbuch: ruhig bleiben. Kinder, die wütend sind, werden bestimmt nicht weniger wütend, wenn man selbst wütend ist. Die Theorie ist so herrlich einfach. „Amok ist, wenn man wütend durch die Gegend rennt und Chaos anrichtet oder anderen Leuten wehtut.“

01.03.2013

1a B-Ware

Liebe Freunde selektiver Schwarzmalerei.
Es ist so weit. Das Buch ist da. Klein und fein. Als ich im letzten Jahr hier den ersten Eintrag zu Blackout-Poems geschrieben habe, hatte ich schon so eine Ahnung, dass da noch mehr kommen würde. An einem  lauen Augustabend hat es mich dann wieder gepackt. Und nicht mehr losgelassen. Mein Herbstwinter war bunt und strichhaltig. Und ich hatte das große Glück, dass Jan vom Gudberg-Verlag diese Miniaturen auch ganz gut gefielen. So gut, dass nun in seinem Verlag das Büchlein erscheint. Zwischenzeitlich fühlte sich mein Arbeitszimmer wie ein Altpapiercontainer an. Die Reste der meisten Zeitungen habe ich mittlerweile entsorgt, und ich kann schon wieder den Fußboden erkennen. Aber ein paar Wörter konnte ich retten. Sie tummeln sich in 80 Blackouts auf geschmeidigen 68 Seiten. Seiten, die voll sind mit Strichen, Balken und Punkten. Und zwischendrin Wörter, die da hingehören, die schon immer da waren. Nur jetzt eben andere Nachbarn haben.

14.02.2013

Die Guppy-Strategie

Liebe Freunde relativer Ratlosigkeit.
Bei den Guppys ist das ja so: In Gegenwart von attraktiven, weiblichen Fischen umgeben sich die männlichen gerne mit Artgenossen, die hässlicher sind als sie selbst, um ihre eigene Attraktivität zu steigern. Das haben Biologen herausgefunden. Was können wir von dieser Strategie lernen? Sollen wir uns nur noch mit Dummköpfen umgeben, um schlauer zu wirken? Sollen wir nur noch unattraktive Freunde haben, um den Eindruck zu erwecken, wir wären hübsche Hengste? Und wieso schenken die Guppy-Weibchen ihre Gunst eigentlich nur den farbenfrohen, auffällig bunten Kerlen? Welche Rolle spielen bei den Guppys die inneren Werte? Gibt es die überhaupt? Und was heißt das für den Menschen, der ja gemeinhin als intelligent gilt. Nicht nur, weil er nach heutigem Stand der Forschung das einzige Lebewesen ist, das sich einen Drink zubereiten und diesen zwecks Genussperfektion mit Eiswürfeln verfeinern kann.

06.02.2013

Unfinished Sympathy

Dear friends of foreign stories.
Today, I´d like to tell you about a double experiment: writing a short story in english and letting a picture tell me what to write. Benjamin Rabe, a fingerpainting-artist from Hamburg, is publishing a tiny magazine about "mobile art, fluffy animals and other disruptive culture stuff." This nimble iPad magazine is called, well, "The Nimble Magazine" - and it´s great. One day, we talked about how his visual work is inspired by a good read, and I was excited about trying this the other way round. Simply because I like his pictures. So he sent me a painting he has drawn on his iPhone and I tried to figure out what the story behind this picture could look like. Let´s call this process "image inspired imagination". Or call it a visual kick in the ass for getting your words together in case of non-self-inspiration. You can read "Unfinished Sympathy" in the latest issue of The Nimble Magazine. Or you can read it here, below. But you should check Benjamins page anyway, otherwise something will be missing in your disruptive search for cultural newism. So here´s the story about Pete and Peggy ...

25.01.2013

Ein früheres Leben

Liebe Freunde unverhoffter Retroinjektionen.
Ich bin ein Freund von Ordnung und Struktur, und es ist mir gerade deshalb wichtig, weil ich das manchmal nicht so gut praktiziere. Ich spreche vom Aufräumen, vor allem vom digitalen Aufräumen. Immer, wenn ich von einem Rechner zum nächsten gezogen bin, habe ich nur äußerst rudimentär die Festplatte strukturiert - und dann alles ab in die externe Speicherung. Neulich habe ich was gesucht, und wie es dann immer so ist, findet man nicht das Gesuchte, dafür aber hundertfach irgendwelchen anderen Kram. Dateien haben ja ein Speicherdatum, das macht die Verortung etwas leichter als bei Erinnerungen oder Papierfetzen. Da ist meist kein Datum reinimprägniert. Heute möchte ich euch weniger mit Worten, sondern mit Bildern langweilen. Und die, die ich nicht gesucht, aber gefunden habe, stammen alle so um die Jahrtausendwende. (Yeah! Das wollte ich immer schon mal sagen. Klingt irgendwie archäologisch). Damals war ich noch jung, und jetzt bin ich mehr als 10 Jahre weniger jung. So ist das. Da müssen wir durch und tragen es mit Fassung. Naja, ins Netz damit. Möge es der Kurzweil dienlich sein. Für mich ist es Vergangenheitsbewältigung. Herrliches Schwelgen. Mir fällt schon wieder ein Zitat von Karl Valentin ein. Sorry dafür, ich kann nichts dagegen tun: "Heute mache ich mir eine Freude und besuche mich selbst." Also, kommt mit, ich mache mich nackig.

09.01.2013

Der große Lauf

Liebe Freunde schneller Schritte.
Korff blickt zu Boden, atmet tief ein, wieder aus, wieder ein. Schüttelt Arme und Beine. On your marks. Er geht ein paar Schritte nach vorne, klatscht sich mit beiden Händen mehrmals auf die Oberschenkel. Springt ein, zwei, drei Mal in die Luft, kniet nieder und ruckelt sich im Startblock zurecht. Seine engen Augen suchen das Ziel, finden aber nur eine rotbraune Spur, die sich in einer Linkskurve verliert. Weiße Markierungen. Die Frage, wo in einem Kreis der Anfang und wo das Ende ist, irritiert ihn. Er bläst sie mit einem langen Atemstoß aus sich heraus und weit weg. Das Ziel ist ist nur 20 Meter entfernt, liegt hinter ihm. Aber er wird nach vorne laufen müssen, so sind die Regeln. In weniger als einer Minute wird alles vorbei sein.

08.01.2013

Das Glück der schlechten Laune

Liebe Freunde fröhlicher Resignation.
Neues Jahr, neues Glück. Sagt man doch so, oder? Nach dem ganzen Besinnlichkeitsstress und mitten hinein in die Januar-Aufbruchsstimmung und die möglicherweise noch unbefleckte Weste der ganzen guten Vorsätze geht der erste Gruß des Jahres an alle unglücklichen Seelen und pessimistischen Schwarzmaler dieser Welt: macht weiter so! Ohne euch macht das Leben keinen Spaß. Lasst euch die schlechte Stimmung nicht von den Gute-Laune-Jüngern verderben, die im Optimismuswahn von der Kraft des positiven Denkens schwärmen. Schluss mit Glückstyrannei und rosaroter Lufthol-Propaganda, die uns ins linke Ohr flüstert, wie schön das Leben ist und ins rechte schreit, dass wir selbst die Schuld tragen, wenn wir das nicht verstehen. Wie bitte? Glücklich sein sei ein Lebensziel? Auf den Zwischenruf habe ich gewartet, vielen Dank. Um das mal klarzustellen: Wer glücklich ist, ist unproduktiv.