26.04.2012

Wörter zuviel und Gedanken zu wenig

Quelle: http://lucido-media.de/blog
Liebe Freunde langer Texte.
Von dem Werbetexter Albrecht Hauss habe ich folgenden Satz geklaut: "Jedes Wort zuviel ist ein Gedanke zu wenig." 
Wer einmal "Marmeladenversuch" und "Paradox of Choice" googelt, gelangt sehr schnell zu dem berühmten Versuch von Sheena Iyengar und Mark Lepper. Die beiden haben herausgefunden, dass eine zu große Auswahl die Menschen in ihrer (Kauf-)Entscheidung hemmt. Jeder will Vielfalt, aber keiner will in der Zuvielfalt untergehen. Wie so häufig: Die Dosis macht das Gift. Und zuviel Auswahl und Freiheit machen irgendwann auch keinen Spaß. Das müssen wir alles mit unserer Zeit (und unseren Mentalreserven) bezahlen. Der Psychologe Barry Schwartz hat das ganze Dilemma in seinem Buch "Paradox of Choice" theoretisch aufbereitet. Was ich aber eigentlich sagen wollte: Zu viele Wörter machen auch keinen Spaß. Ich weiß, liebe Freunde, Ihr denkt jetzt `Das sagt der richtige´ und regt Euch darüber auf, dass ich hier so assoziativ gelockert ins Plaudern gerate. Recht habt ihr, aber ich halte mich eben doch (noch) zu gerne am ersten Teil des Spruches "Langer Rede kurzer Sinn" auf. Wer wirklich nur den kurzen Sinn sucht, liest eben nur die Überschrift. 

17.04.2012

Widerspruch ist zwecklos

Quelle: http://xkcd.com/386/
Liebe Freunde wohlklingender Wahrheiten.
Ich habe einen Witz geträumt, und der geht so: Treffen sich drei Sichtweisen. Sagt die eine: Ich bin die Wahrheit. Darauf die andere: Stimmt nicht. Und die dritte: Schnauze, ihr Egomanen. Wer glaubt, dass die Berichte über die Welt ein Abbild der Welt sind, glaubt auch noch an die Renaissance der FDP. Man muss kein Sozialkonstuktivist sein, um festzustellen, dass es DIE Wahrheit nicht gibt und jede kommunizierte Information eine subjektive Sicht der Dinge ist, eine Interpretation der vermeintlichen Fakten. Ja, gut, vielleicht gibt es dann und wann ein paar brutale Fakten, die im Alltagsleben so einem Konzept wie Wahrheit recht nahe kommen; wo es sprichwörtlich "keine zwei Meinungen" gibt. Kennt jede/r. Aber im Grunde gibt es nur Interpretationen und Geschichten, und das nicht nur in der Unterhaltungsindustrie sondern auch in elitären Steuerungszentralen unserer Gesellschaft. Einen interessanten Artikel hierzu hat vor ein paar Tagen Rainer Hank in der FAZ veröffentlicht: "Wirtschaft als Fiktion der Erzähler." Der hatte meine vollen 15 Minuten Aufmerksamkeit. Es ging um den Geschichtenerfinder Alexander Geiser - wenn ich PR-Profi sage, kriege ich sofort eine pelzige Zunge -, der sich im Auftrag der großen Konzerne dieser Welt Erzählungen ausdenkt. Gute Geschichten sind ja bekanntlich der Schmierstoff des Sozialen. Ganze Religionen basieren darauf. Bunten Paparazzi-Blättern dient diese Erkenntnis als Geschäftsmodell.

16.04.2012

Schlimmes Vorteilspack

Liebe Freunde wahnsinniger Wortneuschöpfungen.
Zugegeben, der Titel ist etwas irreführend. Das Wort "Vorteilspack" ist nicht neu. Das gibt es schon länger. Es hält sich bevorzugt in Supermärkten auf, winkt von mehr oder weniger hübschen Produktverpackungen herunter und will nur gekauft werden. Freundlich suggeriert es uns, dass es hier etwas zu sparen gäbe. Zwei für eins ist das Stichwort, oder plus X mehr Inhalt. Die Mehrmenge ist nicht gratis, soviel wissen wir als aufgeklärte Konsumenten. Denn sonst würde ja draufstehen: 25% mehr Inhalt, gleicher Preis, oder so. Der Vorteilspack meint aber dahingehend vorteilhaft zu sein, als dass hier eine größere Menge zu einem relativ gesehen günstigeren Preis erhältlich sei. Oder er stellt sich gar als Konvolut dar. Fünf verschiedene Sorten im attraktiven Vorteilspack. Dann wird wohl weniger an den Preis als mehr an die Bequemlichkeit appeliert. Oder beides.

12.04.2012

Basil Smash

Liebe Freunde leckerer Langgetränke.
Wir sind alle beschränkt. Normal. Wenn´s gut läuft, hält uns die Neugier am Leben und treibt uns voran. Wissen ist ja bekanntlich die einzige Ressource auf dieser noch schönen Erde, die sich bei Gebrauch vermehrt. Im konkreten Fall geht es um meine Beschränkung in puncto Basilikum, das ich sehr häufig für die Zubereitung eines Tomate-Mozzarella-Gerichtes verwende, ab und an auch zum Kochen. Noch nie aber habe ich das Zeug getrunken! Gestern kam ich in den Genuss eines wahrlichen Horizonterweiterers. Dem Gin Basil Smash. Ein sehr feiner Cocktail, bei dem der Sommer auf der Zunge explodiert. Meine Ex-Kollegin Birgit führte mich in die Leobar im Grindelhof (Hamburg Rotherbaum), aber falls ihr auch mal dahin wollt: das Haus, das die Bar beherbergt, wird in drei Tagen abgerissen. Schade, denn es ist ziemlich gemütlich dort. Und die gebotenen Getränke sind formidabel. Vor allem der Basil Smash. Zuckersirup. Zitronensaft. Gin. Und Basilikumblätter. So ungefähr 20 Stück pro Drink. Der Hammer. Geschmacksexplosion deluxe.

10.04.2012

Rosarote Brillen

Quelle: http://grinding.be
Liebe Freunde der unmittelbaren Zukunft.
Neulich konnte man lesen, dass Google mit dem Test einer Augmented-Reality-Brille begonnen hat. Wearable Computing ist das Stichwort. Da ist es also. Vor ein paar Monaten habe ich Daemon von Daniel Suarez gelesen. Ein tolles Buch, das den Aufbau eines parallelen, volltransparenten Internet beschreibt, in dem die ausgewählten Personen mit HUD-Brillen (Head-Up-Display) rumlaufen und in Echtzeit Informationen über andere Mitglieder abrufen können, deren Netzwerkstatus, Freundschaftsbeziehungen, Bankkonten und so weiter. Da lese ich also sowas und denke, ja gut, Zukunft, und dann lese ich kein halbes Jahr später über die HUD-Brille von Google. Sowas ist zwar immer mal wieder im Gespräch gewesen, aber wenn Google das anpackt, wirkt es irgendwie sehr real. Die Zukunft kommt immer näher, könnte man meinen. Beeindruckend. Eigentlich ist sie ja schon immer da gewesen, die Zukunft, und hält in der Gegenwart die Tür ins Morgen einen Spalt breit offen. Bei technologischen Innovationen ist es aber nun einmal so, dass die Menschen diese auch kulturell akzeptieren müssen.