27.02.2012

Wahre Größe ist eine Frage der Fantasie

Liebe Freunde des gepflegten Perspektivwechsels.
Wenn die Welt zu groß für uns wird, konzentrieren wir uns besser auf die kleinen Ausschnitte des Lebens. Die sind nicht unbedingt leichter zu bewältigen, wirken aber irgendwie überschaubarer, geben hin und  wiederdas Gefühl von Kontrolle. Muss aber nicht sein.
Vor knapp drei Jahren hat die Telekom mal eine Kampagne in Tiltshift-Optik umgesetzt. Seitdem kursieren unglaublich viele Bilder und Videos, die sich dieser Ästhetik bedienen. Durch den minimalen Schärfebereich sehen die abgebildeten Menschen da immer aus wie Figuren aus einer Miniaturwelt. Ein auf den ersten Blick ganz lustiger Effekt, der sich aber sehr schnell abnutzt. Dass wir Menschen kleine Viecher sind, ist schließlich auch nichts Neues. Viel interessanter finde ich den Gegenentwurf hierzu.

24.02.2012

Einfach mal machen

Matt Jones
Liebe Freunde des steten Wandels.
"Es ist wie es ist, und es ist fürchterlich", soll der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard einmal gesagt haben. Vielleicht stammt der Satz aber auch von Hans Henny Jahnn. Wer auch immer das gesagt hat: besten Dank dafür. Es ist ein schöner Satz. Er leuchtet immer dann in heller Wahrheit, wenn die Welt es wagt, von unserer Vorstellung abzuweichen. Und wenn wir feststellen, dass es nicht zu ändern ist. Ein sehr passender Satz, um es sich in der eigenen Ausweglosig- und Antriebslosigkeit bequem zu machen. Eine sprachliche Killer-App für jeglichen Aktivismus. Und ein wunderbarer Dünger für die nötige Portion Alltagszynismus. Den Satz im Standard-Repertoire für schmale oder tiefe Gesprächsführung zu haben, kann sicher nicht schaden. Wenn er dann tatsächlich gesagt wird, könnte der versierte Gesprächspartner vielleicht mit dem französischen Philosophen Gilles Deleuze beiläufig antworten: "Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen." Bleibt die Hoffnung, dass man auch die passende Waffe findet. Und, weil alles schließlich zwei Seiten hat, bleibt auch die Furcht davor, dass man die passende Waffe findet, denn: was machen wir, wenn wir sie gefunden haben? Sie benutzen?