04.10.2017

Strahlkotzen und andere Begabungen

Liebe Freunde energischer Erinnerung.
Weißt Du noch, wie wir uns in Erinnerung behalten? Hast Du noch vor Augen, wer Du einmal sein willst? Wirst Du einmal wissen, wer Du gewesen bist? Während Du Dir im Laufe der Zeit ein paar Brötchen brätst, klopft es draußen energisch gegen die Tür. "Wer ist da?", kommt die Antwort aus der Küche. Sie kommt von Dir. Und das Klopfen? Möglicherweise eine Täuschung. Im günstigen Fall. Langsam schleichst Du bergauf, bis zur Unverschämtheit des Gipfels der Enttäuschung, danach geht es bergab, und es ist ein verwirrendes Begriffsbild, dass "bergab" meist ins Schlechte führt und "bergauf" mit etwas Gutem verbunden wird. Dabei ist es doch genau umgekehrt. Die meiste Zeit glaubt oft nichts Wesentliches. Die Erinnerung versinkt in Schweigen, und Du zählst die Stunden, bis Du langsam und schwerübermüdet so gegen Viertel vor Tiefschlaf an der Stelle ankommst, die auf der Landkarte des Lebens als Sehenswürdigkeit gekennzeichnet ist. Nun gut, es wäre übertrieben von Ruinen zu sprechen, aber eine Touristenattraktion hast Du Dir irgendwie anders vorgestellt. Wenn sonst auch nichts läuft: Misserfolg ist immer ein Selbstgänger.
So laufen die Läuse vehement über jedes Leberwesen, das ihnen als Trittfläche dient, und unterwegs zucken übermächtige Phantasievorstellungen in den schattigen Scherben der Begriffe, die Du benutzt, um die Welt zu beschreiben. Weil es nichts anderes gibt. Die maximale Mattheit der Masse rollt Dich bergab. Es geht also besser. Die Landschaft zieht an Dir vorbei. "Pop out my way", ruft das Popcorn der Zuschauer. Leicht holprig ist der Weg, und immer wieder bittet er um Vergeblichung. Du kannst es nur schwer hören. Nochmal: "Darf ich reinkommen?" Diese Frage lässt sich kaum ignorieren, aber keine Antwort setzt einen Fuß in das Gewirr von Tränen, die sich in die Kleidung fräsen, tropfnass und triefend vor Entsetzen. Ein Bild des Jammers im Museum der Lacher. Ein magischer Moment, wie der Duft frischer Brötchen neben heißem Kaffee, und das einzige, was Du über die Lippen bringst, ist ein zaghaftes "Bis morgen." Dein Blick reicht bis zur nächsten Kurve, und im Kopf rücken die Erinnerungen näher zusammen, um Platz für die nächsten zu machen. Hast Du noch vor Augen, wer Du einmal gewesen sein willst?




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