01.03.2017

Wahrheitsbehauptungen und offene Messer

Liebe Freunde elitärer Ersatzwahrheiten.
Wohin ich auch gehe, immer nehme ich mich mit. Auch in menschenleerer Umgebung und maßloser Ruhe, in mir drin ist Großstadt. Weglaufen zwecklos. Die Seele fährt mit Blaulicht. Am Ende des Tages, mit dem Schließen der Augen, mit dem Schlaf, der zum Glück ein verlässlicher Freund ist, legen sich die Monster zur Ruhe. Am Ende des Schlafs, mit dem Öffnen der Augen, kommen die Monster wieder. Ich gehe in mich, immer tiefer, bis zu der Stelle im Kopf, wo man nach der Richtung fragt. Dann stehe ich da, ratlos, und ein paar herumlungernde Sorgen am Wegesrand behaupten, ich sei Teil von etwas ganz, ganz Großem. Ich gehe ich weiter, ohne Richtung, entwickele Bilder und Vorstellungen und mich selbst, immer vorwärts entlang des seidenen Fadens, ohne dabei über die Befürchtungen zu stolpern, die inflationär im Weg herumliegen. Neben mir wandern weitere Ersatzwahrheiten durch den Weltkopf. Sie wollen zum Stein der Weisen, um sich dort ihrer selbst zu vergewissern.

"Haben Sie sich je gefragt, was Sie zusammenhält?", fragt ein alternativer Fakt. Small Talk gegen die Langweile, denn die Strecke ist nicht wirklich bunt. Ich reagiere nicht, zumindest nicht wahrnehmbar. Ich gehe auch nicht schneller. Ganz normales, distanziertes Schlurfen.

"Einbahnstraße, oder?"

Ich nicke belanglos mit der Schulter. Wie soll man auch aus sich herausgehen?

Die Fakten bleiben hartnäckig, strotzen vor Selbstbewusstsein und tragen den Download-Link zur Schau, über den sich vermeintliche Erfolge in die körpereigene Konfigurationsdatei installieren lassen. Ich kann nicht anders, ich muss hinschauen. Wie bei einem Autounfall. Sehe, wie sie vor dem Stein der Weisen stehen und ihn durch trübes Pinkeln vollständig erodieren. Mir ist schlecht, und das ist untertrieben. Aus einer anderen Welt gibt es immer noch keine aktuellen Schlagzeilen.

"Schnauze", schreit die Schmerzgrenze, dabei habe ich doch gar nichts gesagt.
Vielleicht ist genau das das Problem.

Ein großes Missverständnis kratzt am Stein der Weisen, dessen Inschrift mehr und mehr verblasst, je länger man ihn anstarrt. Eine gewaltige Ruhe legt sich von oben über den Sturm und zwingt ihm seine Meinung auf. Die Wolken öffnen sich und gebären eine mächtige Erlösung. Vor dem klaren Blau des Himmels wächst die nächste Weisheit zu vollkommener Schönheit heran und fällt als Missverständnis auf die Welt.

Überall offene Messer, man traut sich gar nicht weiter. Wann ist ein guter Moment eigentlich ein guter Moment? Ach, was rede ich. Hier ein paar Blackouts aus den letzten Wochen, ein paar Wahrheitsbehauptungen, die ausnahmsweise mal nichts mit Pohlmann zu tun haben. Bleibt gut.  









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