02.12.2016

Gedämpfte Hoffnungen

Liebe Freunde platter Patentrezepte.
Mir schmeckt´s nicht. Die Obergrenze meiner Realität hängt derzeit so tief wie selten zuvor. Ich bin froh, wenn das kaputte 2016 bald entfernt wird. Bloß, was kommt dann? Was werden wir in 12 Monaten über 2017 sagen? Wie wird sich die Welt und mit ihr die eigene pathologische Weltbeziehung entwickeln? Ich habe zwar keine Ahnung, aber ein Patentrezept: Gedämpfte Hoffnungen an ausgelassenen Chancen. Doch dazu später. Die Menschen werden immer elektrischer, und auch ich habe einen Internetzugang und kann viel behaupten. Aber was nützt das, wenn sich die Stimme der Vernunft bereits im Exil befindet und ausgewandert ist in die autonome Republik der spirituellen Wahrnehmung? Wenn bestimmte Beschwerden drückender werden und auch Handauflegen nicht mehr hilft? Wenn die Realität nur eine simulierte Aneinanderreihung absurder Fehler ist?

Bald ist das Jahr vorbei. Oder anders formuliert:

"Er blickte aus dem Fenster, das die Umrisse seines Oberkörpers spiegelte. Sie verloren sich im Ungefähren der Dreifachverglasung, fransten aus und waberten auf der Scheibe. Schwarz war die Nacht, und den Wunsch zu leuchten hatte sie längst vergessen. Vereinzelt warfen Laternen helle Punkte auf die Straßen. Sie irrlichterten über den Asphalt, und um sie herum wirkten die Schatten noch gefährlicher. Gespenster heulten ihre Angst vor dem Licht in die flüssige Luft. Hinter dem Vorhang des Misslingens feierte der Beginn eines neuen Lebensabschnitts ein rauschendes Fest. Er lief durch die Welt, bis an die Grenze seiner Möglichkeiten. Und weit darüber hinaus. Man sah ihm an, dass er alles richtig machen wollte. Hinter der Dunkelheit wartete die nächste Zukunft. Dort musste das Paradies liegen, mit blühenden Wiesen und einem warmen Himmel, dessen farblose Luft von einem intensiven Blau dominiert wurde. Ein Himmel, der Heilung und Zufriedenheit versprach. Mit einer Sonne, die zärtlich die Haut berührte, und einem feinen Wind, beladen mit dem Duft von Klee und frisch gemähtem Gras. Mit einer hellen Zuversicht, die alle schönen Träume in die Tage trug."

Und nun zum Patentrezept für die persönliche Weltbewältigung. Ein Festschmaus für standhafte Realitätsallergiker. Dafür braucht Ihr: 500g Hoffnung, 250g Chancen (möglichst naheliegend), drei frisch geerntete Rückschläge, einen Haufen Wirklichkeit (ca. 300g), 3 EL Überheblichkeit und eine Prise schlechte Laune. Zuerst die Hoffnung kleinhacken und in einem geschlossenen Topf zehn Minuten dämpfen. Anschließend gut abschrecken. Dann die Chancen auslassen, das geht am besten in der Pfanne, man kann aber auch einfach eine halbe Stunde still sitzen und gar nichts machen. Die Rückschläge passieren, die Brühe anschließend reduzieren und über die Hoffnung geben. Zum Schluss die Wirklichkeit kurz abbrühen und mit einer Prise schlechter Laune verquirlen. Dann vorsichtig die Überheblichkeit unterheben. Abschmecken mit einem Tröpfchen Demut und ansehnlich in der vorgewärmten Filterblase anrichten. Wer möchte, genießt das Ganze mit einem kleinen Beileidssalat und den Textverdunkelungen der letzten Wochen. Guten Appetit. 

Und bitte haltet Euch ausgewählte Illusionen aufrecht. Ohne seelische Gehhilfe funktioniert die eigene Geschichte nicht. Vielleicht bekommen ein paar verpasste Gelegenheiten dann einen neuen Termin und 2017 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Hoffnung positive Gewissheiten produziert und die Enttäuschung in die Wüste geschickt hat. Bleibt gesund und gut.




























Kommentare:

  1. good quotes! I like the way you write this book. I believe that you are a good writer

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  2. We must look for the opportunities to avoid the dubious illusions for the further action. It will be the first step towards improving the situation.

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