01.08.2016

Den einen haut es um, den anderen auch.


Liebe Freunde hartrealer Humanität.
Es ist nicht die Zeit der Witze. Oder gerade doch. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, dafür leide ich zunehmend unter gedanklichen Annäherungsproblemen, die auch dann nicht verschwinden, wenn ich mich meinen Gedanken in einer ruhigen Seitwärtsbewegung zuwende. Die Seele seufzt, man nennt es atmen, und die Gefühle sind völlig überfordert wenn ich versuche, sie gehirngerecht zu strukturieren. Hässliche Launen überall. Kein guter Ort, diese Welt. Keine gute Zeit, dieses Zweisechzehn. Während es politisch immer kälter wird, jagen komische Menschen in einem Zwischenkosmos virtuelle Monster und upleveln sich in besinnungslose Gegenwartsdistanz. Jedem Tierchen sein Plaisierchen.

Dazu gesellen sich Amateur- und Profi-Wirklichkeitsanalysten, Populisten und Publizisten, deren Äußerungen jeden Funken Hoffnung rücksichtslos auspinkeln. Als Journalismus getarnte Propaganda bedauert Entwicklungen in epischer Breite und mit einer unvorsichtigen Sprache, die bei den Lesenden zu Meinungsbildung beiträgt, deren Konsequenzen wieder zu Entwicklungen führen, die nächste Woche in einem neuen Leitartikel bedauert werden. Wörter stellen Zusammenhänge her, und ihr Gebrauch ist mitunter gefährlich. Im Rattenrennen um die beste, emotionalste, tiefgreifendste Geschichte ist die Achtsamkeit gegenüber der Sprache leider viel zu häufig Nebensache.


Ich möchte Euch übrigens strengstens davon abraten "Zeitgruppe Null" zu lesen. Es macht nur schlechte Laune. Und die Newsticker bieten leider viel zu regelmäßig die gleichen Inhalte. Lest lieber etwas Positives, etwas Gutes. Warum seine Zeit mit schlechter Fiktion vergeuden, die von schlechter Realität regelmäßig überholt wird? Ich komme nicht mehr hinterher, hänge in der 2016er-Realität fest und frage nicht nach Sonnenschein. Zu viele Katastrophen, zu wenig Umdenken. Bisher habe ich immer gedacht, erst eine Katastrophe bringt die Menschen dazu, ihr Handeln zu überdenken. Und ich dachte, das wäre schon eine pessimistische Sichtweise. Mittlerweile sind Katastrophen Normalzustand geworden, und nichts ändert sich. Es bleibt das Gefühl, dass alles noch schlimmer wird. 


Zurzeit fragt mich meine 11-jährige Tochter durchschnittlich einmal pro Woche: "Schon wieder ein Anschlag?" Es hat sich eine bedrückende Routine in diese Frage geschlichen. Und in mein Schulterzucken. Dann sitzt sie am Küchentisch, dieses Mädchen, die im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern das alles schon versteht und irgendwie auch doch nicht, und sie blättert weiter zum Wetterbericht, der ist schließlich lebensnäher und betrifft ihren Schulwegalltag deutlich intensiver, als so ein paar selbstverständliche Standardbomben. Und mir vergeht nicht der Appetit. Ich bin nur müde, mein Kopf wird jeden Tag später wach und geht früher zu Bett. Und in den hellen Momenten verdunkele ich ein paar Texte, das geht schnell, das lenkt ab. Wie Sport, nur nicht das gleiche.


Der Alltag lenkt übrigens auch ab, dieses Funktionieren-Müssen. Drei Kinder hier, ein bisschen Geldverdienen da, und zwischendurch noch einkaufen. Mein persönliches Pokémon Go. Ich habe gar keine Zeit, der sogenannten Medienberichterstattung ausführlichst zu folgen. Kann man auch mal positv sehen, so ein Eingebundensein. Man hat immer was vor. Und am Ende ist man unheimlich alt.   

Wie gesagt: Ich habe auch keine Ahnung. Wo andere ein Gehirn haben, habe ich mittlerweile zwei aufgeweichte Brötchen. Die Frage, woher dieser hartreale Hass kommt, der zu viele Menschen auf diesem Planeten befällt, stelle ich mir nicht mehr. Die Angst, wohin er uns führen wird, verdränge ich mehr oder weniger erfolgreich. Es bleibt die Ohnmacht nichts tun zu können, außer ein halbwegs netter Mensch zu sein. Es bleibt der eigene Mikrokosmos, und schon der ist schwierig genug. Und es bleibt der Wunsch, dass alle etwas entspannter sein mögen, etwas lockerer und nicht sofort in den Angriffs-Modus einer beleidigten Leberwurst verfallen. 


Im großen Ganzen und grundsätzlich, ist einiges doch sehr entsetzlich. Nicht alles, wohlgemerkt, nicht alles. In diesem Sinne: Bleibt nett und gelassen und lasst die Dumpfbacken nicht zu doll an Eurer inneren Ruhe kratzen. Still und leise wird die Welt, wenn jeder mal die Klappe hält. Und mit etwas Autosuggestiön, wird sie vielleicht auch wieder schön. Ach so, hier noch ein paar weitere Blackouts aus dem Juli. 


 
 


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