12.02.2016

Früh übt sich

Liebe Freunde frühzeitiger Fantasie.
Tochter zwei ist siebeneinhalb. Heute war sie krankheitsbedingt nicht in der Schule, und ich habe "Home Office" gemacht. Mit Betonung auf "Home" natürlich, nicht auf "Office". Sie hatte sich immer mal wieder zwischendurch in ihr Zimmer verzogen, um an "einer Geschichte" zu arbeiten. Ich lächelte und nutzte die Zeit, um wenigstens ein paar Mails abzuarbeiten. Zu mehr kommt man in solchen Situationen ja nicht. 
Dann stand sie mit dem Zettel vor mir und hat mir die Geschichte vorgelesen. Ich habe mir sofort die Erlaubnis geholt, diese tiefsinnige Erfolgsstory zu verlegen. Im Internet, wo auch fremde Leute das lesen können. Oha. Et voilà. Als Vorschuss gab es das Wunschmittagessen - und sogar einen Nachtisch. 
Zwecks Veröffentlichung habe ich noch ein paar Regeln der deutschen Schriftsprache eingehäkelt, sonst nix. Aber lest selbst.


Es war einmal ein Spatz, und es war Winter. Alles war voll mit Schnee und Eis. Der Spatz suchte und suchte, doch es war kein einziges Korn zu sehen. Und der Spatz wollte unbedingt wissen, wer der Stärkste ist. Da fragte er das Eis und sagte: "Liebes Eis, wie kommt es, dass du so stark bist?"

"Ich bin nicht so stark, wie könnte mich sonst die Sonne schmelzen?"

Da fragte der Spatz die Sonne: "Wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht so stark, wie könnten mich sonst die Wolken verdecken?"

Da fragte der Spatz die Wolken: "Liebe Wolken, wie kommt es, dass ihr so stark seid?"
"Wir sind nicht so stark, wie könnte uns sonst der Wind auseinander pusten?"

Da fragte der Spatz den Wind: "Lieber Wind, wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht stark, wie könnten mich sonst die Berge aufhalten?"

Da fragte der Spatz die Berge: "Wie kommt es, dass ihr so stark seid?"
"Wir sind nicht so stark, wie könnte uns sonst das Gras bedecken?"

Da fragte der Spatz das Gras: "Liebes Gras, wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht so stark, wie könnten mich sonst die Schafe fressen?"

Da fragte der Spatz das Schaf: "Liebes Schaf, wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht so stark, wie könnte mich sonst der Hirte hüten?"

Da fragte das Schaf den Hirten: "Wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht so stark, wie könnte mich sonst die Maus im Schlaf stören?"

Da fragte der Spatz die Maus: "Wie kommt es, dass du so stark bist?"
"Ich bin nicht alleine stark, sondern mit anderen Mäusen, die in meinem Team sind."

Jetzt verstand der Spatz: Nur zusammen ist man stark.


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