23.11.2015

Sechs Strategien zum Nichtdranbleiben

Liebe Freunde lustiger Lebenshilfen. 
Nur noch wenige Wochen. Das Jahr geht in die letzte Runde. Endstimmung. Gefühle. Wechselbäder. Wintergebremste Seelenkälte. Zeit der guten Vorsätze und Veränderungssuggestionen. Leider sind die meisten davon positiv. Lassen Sie sich nicht von diesem Optimismuswahn anstecken. Halten Sie sich an die ZACK-Regel: Zweifel, Aufschub, Chaos, Krise. Nur so verpassen Sie garantiert jeden Anschluss. Aber das ist gar nicht so leicht. Aufbruchsfanatiker, Optimismusjünger und dynamische Macher dominieren die gesellschaftliche Realität. Sie fühlten sich schon immer etwas anders als der Mainstream? Wunderbar. Dann rebellieren Sie gegen das Dranbleiben, indem Sie nicht dranbleiben. Opfern Sie mir ein bisschen Ihrer Zeit, und ich zeige Ihnen, wie das geht. In sechs Schritten zum brillanten Bremser.

Im Versichertenmagazin meiner Krankenkasse gab es neulich "10 Strategien zum Dranbleiben". Ich will ja nicht kleinteilig sein, aber allein die Überschrift dieses Stichwortgebers, der nur so vor versteckten Botschaften wimmelte, ist grundfalsch. Es handelt sich um 10 Maßnahmen zum Dranbleiben. Maßnahmen, nicht Strategien. Das Dranbleiben selbst ist die Strategie, die mit diesen 10 Maßnahmen umgesetzt werden soll. Wobei man jetzt trefflich darüber streiten könnte, ob Dranbleiben alleine schon eine Strategie ist. Aber lassen wir das. Wer sich für dieses Visions-, Strategie- und Maßnahmengedöns interessiert, klickt lieber rüber in den Komfortzonen-Berufsblog und hofft auf Erklärungsstränge. Hier geht es schließlich um pfiffige Soforthilfen zur Konfusionsbeschleunigung. Also: Entdecken Sie mit mir sechs Wege, wie Sie Ihre persönliche Bremszone perfektionieren können.

(1) Stellen Sie sich vor Ihr Ziel. Blockieren Sie es. Noch besser: stellen Sie sich zwischen Sie selbst und Ihr Ziel. Machen Sie einen geraden Rücken, die Schultern breit. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht zu Ihrem Ziel durchkommen, dass niemand zu Ihrem Ziel durchkommt. Sonst erreicht es womöglich am Ende noch irgendwer. Das wäre fatal, wenn es um das Nichtdranbleiben geht.

(2) Sorgen Sie sich, bevor Sie sich aufs Sofa legen. Ganz wichtig: immer ordentlich Sorgen machen, nicht so lapidar rummäkeln und leichte Bedenken äußern. Nein, amtlich-vernünftige Sorgen machen und dabei gründlich vorgehen. Danach ist es unbedingt erforderlich, weiterhin lethargisch zu bleiben. Und das geht bekanntlich auf dem Sofa ganz hervorragend.

(3) Suchen Sie Gedanken, die Sie von dem abhalten, was Sie sich vorgenommen haben. Vermeiden Sie Aufbruchsstimmung. Lernen Sie nicht nur Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ, sondern vor allem auch den Prokrastinativ: "Ich hätte heute etwas geschafft haben wollen." Wenn Sie diesen Fall beherrschen, fällt Ihnen das Aufschieben nicht mehr schwer - und Sie beherrschen es dann auch grammatikalisch wie eine eins. Wenigstens. Denken Sie sich also gemütlich weg von Ihrem Ziel und vermeiden dabei das typische schlechte Gewissen.

(4) Schaffen Sie Ihr Vorhaben ab und genießen Sie Rückschläge. Die einfachste Art, nicht voranzukommen, ist immer noch: keine Ambitionen haben. Schaffen Sie also alle Pläne ab. Wer nichts wagt, reduziert die Gefahr herber Rückschläge. Und falls Sie aus Versehen doch mal etwas machen, stellen Sie durch groben Dilettantismus sicher, dass Ihnen die Rückschläge nur so zufliegen. Und dann genießen Sie sie. Empfangen Sie Ihre Rückschläge lächelnd und mit offenen Armen, laden Sie sie zum Tee ein, stellen Sie ein paar Kekse bereit. Es wird ein Fest.

(5) Organisieren Sie sich munter unter. Vergessen Sie sowas wie Terminkalender oder Tagesstruktur. Befolgen Sie bei Verabredungen (mit sich selbst oder anderen) unbedingt die 3V-Regel: vergessen, verwechseln, verzetteln. Fangen Sie bloß nicht an, eine To-Do-Liste zu entwickeln, die wird ohnehin immer größer statt kleiner. Hüten Sie sich davor, Ihre Pläne in kleine und erreichbare Ziele zu konkretisieren. Das führt im schlimmsten Falle bloß zu kurzfristigen Erfolgserlebnissen, auf denen sich aufbauen lässt. Das wollen Sie nicht wirklich.

(6) Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Blockieren. Der Tag hat 24 Stunden. Das ist eine ganze Menge, mitunter sogar viel zu viel. Da sollte es Ihnen doch nicht schwerfallen, genügend Zeit für die Aktivierung Ihrer Bremszonen zu reservieren. Vergessen Sie nie: wer nicht blockiert, kommt immer vorwärts. Und kommt die Energie einmal ins Rollen, folgt meistens auch das Wollen. Also machen Sie immer schön langsam, aber bitte nicht im Sinne von gründlich (siehe Regel 5). Befolgen Sie eher die zweite Regel und legen sich auf das lethargiegepolsterte Sofa. Polyesterdeckchen über den Körper ziehen, Tässchen Tee dazu. Ein paar Chips. Glotze an. Ja, das ist schon besser.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen. Bitte versprechen Sie mir, dass Sie beim Lesen ungeschwärzter Ratgeber in Zukunft etwas vorsichtiger sein werden. Diese ganzen angeblichen Hilfestellungen sind nur Propaganda gegen den Stillstand. Erst, wenn man sie schwarzmalt, kommen die wahren Botschaften zum Vorschein. Und zum Abschluss spendiere ich noch eine kleine Bonusmaßnahme:

(7) Machen Sie Larifari. Bloß nichts durchdenken. Nutzen Sie Ihr profundes Halbwissen und dilettieren Sie amateurhaft in der Gegend herum. Nur dann ist Ihnen der Erfolg sicher. Aber: können Sie auch damit umgehen? Es könnte Ihr komplettes Regelwerk aus den Fugen heben. 

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf und streuen Sie fleißig Sand in Ihr Getriebe. 

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