10.08.2015

Prinz Eisenherz rasiert sich nicht

Liebe Freunde fehlgeleiteter Frisuren.
Neulich klingelte der Nachbar-Nachbar an der Tür. Unaufgeregter Typ, so Anfang siebzig. Irgendwie hatte er mitbekommen, dass Tochter eins gerne Comics liest. In seinem Unruhestand war er gerade dabei, den Keller zu entrümpeln und die alten Spielsachen seines Sohnes, der mittlerweile auch schon fast 50 Lenze zählt, "aufzuräumen."  Die familiären Hintergründe dazu möchte ich mir jetzt nicht ausmalen. Jedenfalls ist er dabei auf einen Karton mit alten Comics gestoßen und dachte sich netterweise, dass das doch was für die Nachbarnachbarskinder wäre. Da stand er also vor dem Haus, mit dem randvollen Umzugskarton auf der Schubkarre: "Bitte schön. Durchsuchen, Rest wegschmeißen. Schönen Tag noch." So begab es sich also an diesem herrlichen Sonntagnachmittag, da Tochter eins gemeinsam mit Sohn eins der Nachbarsfamilie vor dem Haus Comic-Heftchen sortierten: ein Stapel "wollen wir beide", ein Stapel "will ich" (Tochter eins), ein Stapel "will ich" (Nachbars-Sohn eins), ein Stapel "will keiner." Nachdem die Beute verteilt war, trugen die Kinder ihre Meterware in die Häuser und verschwanden in den jeweiligen Leseecken. Übrig blieb der Stapel "will keiner", und den trug der, der innerfamiliär für die Restmüllentsorgung zuständig ist, brav zur Altpapiertonne.
Irgendwie schaffte es mein Arm, noch einmal in die Tonne zu greifen und willkürlich ein Heftchen rauszuziehen, das ich dann bei einem zwingenden Nachmittagskaffee durchblätterte: eine 1971er Originalausgabe von Prinz Eisenherz, oder einer Adaption davon, oder was auch immer. Ihr ahnt es. Man entferne umgehend alle schwarzen Stifte aus greifbarer Nähe. Für die Kinder war das Ergebnis fast schon enttäuschend: "Das sind ja nur Striche und gar keine Muster." Überzeugt euch selbst. In diesem Sinne: Durchsuchen, Rest wegschmeißen. Schönen Tag noch.

 





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