05.04.2013

Made in Space

Liebe Freunde kongenialer Kollaboration.
Ich bin um eine Erfahrung reicher. Wer noch einmal sagt, Schreiben sei ein einsamer Prozess, dem schwinge ich die Keule der Kollaboration und lasse Benjamin dazu mit dem moralischen Finger die passende Illustration malen, während Valentin parallel an einem Antisolitär-Satz feilt. Was das für eine Erfahrung war, wollt ihr wissen? Eine sehr, sehr gute: Gemeinsam gleichzeitig eine Geschichte schreiben und illustrieren. Das Ergebnis dieser dreistündigen Schreib- und Illustrations-Session ist "Made in Space." Viel Spaß beim Lesen. Dabei hatten wir anfangs überhaupt keinen Plan. Also haben wir erst einmal ein Bier aufgemacht. Dann brachte Benjamin "Bunny & The Beardman" ins Spiel. Der erste mag Chrom, der zweite eher Holz. Und dann haben wir losgelegt, ohne so genau zu wissen, was und wie. Einfach machen. Ein Satz, dann noch einer, dann ein Bild, dann weiter. Und immer weiter. 

Eine krasse Echtzeit-Erfahrung. Es ist bekannt, dass mich beim einsamen Schreiben der Cursor erwartungsvoll anblinkt und die Tastatur auf Eingabe wartet, während ich auf Eingebung warte. Aber in so einem kollaborativen Dokument erscheinen auf einmal Wörter, Sätze, Bilder, ohne dass ich auch nur eine Taste gedrückt habe. Wie von Zauberhand. Wieso lässt der Typ jetzt plötzlich das Raumschiff starten, dachte ich relativ am Anfang und musste dazwischengrätschen, ließ mit einem Halbsatz den Motor wieder ausgehen. So ging das hin und her. Zwischenzeitlich schob Fabric Lenny, ein Fingerpainting-Kollege von Benjamin aus dem fernen England, auch noch ein paar Bilder rüber. Die landeten ebenfalls im Google-Doc und Valentin und ich mussten beim Schreiben darauf reagieren. Der Prozess wurde sporadisch auch durch sozialmediale Status-Updates begleitet, wie zum Beispiel dieses Video von Benjamin. Und in seinem Flickr-Album findet ihr nochmal alle Bilder.

Das war alles ziemlich super, aber durchaus nicht unanstrengend, und nach zwei Stunden fühlten wir uns mental etwas ausgemergelt, aber die Story war noch nicht zu Ende. Wir wussten nicht, was noch kommt und ob überhaupt ein Ende absehbar war. Immer, wenn einer den Sack zumachen wollte, kam eine Wendung durch einen anderen Satz oder ein neues Bild. Uns war aber klar, dass wir das Ding zu einem Abschlus bringen mussten. Das war der Rahmen. Fertig bekommen, in der rohen Form, wie ihr das jetzt lesen könnt. Es wäre falsch gewesen, den Prozess unbeendet zu lassen und sich ein paar Tage später noch mal dranzusetzen. Es gab einen Anfang, also musste es auch ein Ende geben. Das hatten wir nach drei Stunden erreicht. Wir haben zum Schluss nur noch kurz die gröbsten Vertipper bereinigt, was nicht heißt, dass keine mehr drin sind. Und die Sprünge und Brüche und scheinbaren Logikfehler - hey, das muss so!

Die Moral der Geschichte könnt ihr euch selbst suchen und vielleicht finden, aber meine Erkenntnisse aus dieser kompakten Session teile ich euch ungefragt mit:

(1) Alles ist schnell, viel zu schnell zum Planen: treibe voran, oder du wirst vorangetrieben.
(2) Einfach anfangen, der Rest ergibt sich beim Gehen.
(3) Selbst unlogische Dinge sind möglich und faktisch: es gibt keinen Continuity-Fail, niemals.
(4) Gemeinsam ist man weniger allein - mit allem, was dazu gehört.

Also: Schaut euch "Made in Space" mal an. Vielleicht findet ihr da ja ein wenig Kurzweil. Die drei Stunden der Entstehung sind jedenfalls wie im Fluge vergangen. Ein gutes Zeichen. Wir haben auch schon mit müden Köpfen an-überlegt, wie man so etwas beim nächsten Mal größer und offener machen kann. Bleibt gespannt wie wir. Und wenn ihr Vorschläge habt, immer her damit. Kooperation ist das Egodenken des 21. Jahrhunderts. In diesem Sinne: Schöne Zeit, zusammen.
 

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