10.05.2012

Dear Catastrophe Waitress!

Quelle: http://www.miss-geschenke.de
Liebe Freunde kneipenlustiger Schenkelklopfer. 
Ja sicher, Thekenwitze gibt es zum Gähnen viele. Aber Thekenkomik ist etwas anderes, wie ich finde. Daher möchte ich Euch die folgende Geschichte nicht vorenthalten. Die ist schon ein Weilchen her, aber das mindert die Alltagsabstrusitätsqualität nicht im geringsten. Außerdem hat sie mir damals den Abend versüßt, und als ich jüngst wieder dran dachte, erneut. Doppelfreude. Also bitte.
Wir saßen in so einer Bar, und um einen Überblick über die Finanzen zu behalten und uns ein wenig in trinktechnischer Selbstdisziplin zu üben, bezahlten wir jedes Bier direkt bei der Bestellung. Anders als die meisten hier, die in den Sitzgrüppchen verteilt ihre Getränke auf Deckel schrieben ließen. Wir waren zu zweit. Eine Freundin und ich saßen auf einem der Sofas, redeten über die Erlebnisse der Zwischenzeit und wechselten uns mit dem Bierholen ab. Als ich zum zweiten oder dritten Mal zur Theke ging, um die leeren gegen zwei volle Flaschen einzutauschen, lief das Gespräch ungefähr so ab:

"Hallo. Kannst du mir bitte noch zwei Jever geben?"
"Zahlst du zusammen oder geht das getrennt?"
In diesem Moment hätte ich schon wissen müssen, dass da irgend etwas nicht so läuft, wie die kulturelle Struktur das vorsieht, schließlich stand ich alleine vor der Theke und es war klar, dass niemand anders meine Bestellung finanzieren würde. In meiner Antwort lag ein leises Vibrieren der Verunsicherung.
"Wie? Äh, sicher, ich, hm, zahle zusammen, ja, äh."
Die Bardame, nennen wir sie Ms. Imoto, hatte sich im Verlauf des bisherigen Abends als eine sehr zuvorkommende und souveräne Thekenkraft erwiesen. Aber nun begann sie auf einem der Blöcke die Striche zusammen zu zählen. Das irritierte mich. Nicht nur, weil die Vielzahl der Striche in keinem Verhältnis zu unserem bisherigen Alkoholkonsum stand, sondern vor allem, weil wir aus bekanntem Grund alles sofort bezahlt hatten. Gehirn an Sprachzentrum: Intervenieren!
"Äh, Moment, wir haben keinen Deckel, wir haben alles immer sofort bezahlt."
"Ach so. Ich dachte du gehörst zu der Gruppe da hinten."
"Nee, nee. Ich gehöre zu keiner Gruppe. Wir sitzen hier um die Ecke und haben immer alles sofort bezahlt."
Sie blickte erst um die Ecke und dann auf Ihren Block, als erwartete sie dort eine Bestätigung.
"Ach so, ja, gut. Dann ist alles in Ordnung. Dann habt ihr nichts auf dem Deckel."
Ich lachte etwas verlegen. "Nein, haben wir nicht."
Sie blickte mich an, als wäre nun alles geklärt. Ihre Augen sprachen ein gestresstes ´Und was gibt´s sonst noch?´
Da sie nicht weiter reagierte übernahm ich die Initiative. "Ähm, ich hatte eigentlich noch zwei Bier bestellt!?"
"Astra, Becks, Holsten, Jever?"
Ich wies auf die beiden leeren Flaschen, die ich vorhin auf die Theke gestellt hatte:
"Äh, Jever, ich hatte zwei Jever bestellt." 
Sie ging zum Kühlschrank, öffnete routiniert bis gelangweilt die beiden Flaschen und stellte sie auf den Tresen. Dann nahm sie ihren Kugelschreiber. "Auf welchen Deckel gehen die?"

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