27.02.2012

Wahre Größe ist eine Frage der Fantasie

Liebe Freunde des gepflegten Perspektivwechsels.
Wenn die Welt zu groß für uns wird, konzentrieren wir uns besser auf die kleinen Ausschnitte des Lebens. Die sind nicht unbedingt leichter zu bewältigen, wirken aber irgendwie überschaubarer, geben hin und  wiederdas Gefühl von Kontrolle. Muss aber nicht sein.
Vor knapp drei Jahren hat die Telekom mal eine Kampagne in Tiltshift-Optik umgesetzt. Seitdem kursieren unglaublich viele Bilder und Videos, die sich dieser Ästhetik bedienen. Durch den minimalen Schärfebereich sehen die abgebildeten Menschen da immer aus wie Figuren aus einer Miniaturwelt. Ein auf den ersten Blick ganz lustiger Effekt, der sich aber sehr schnell abnutzt. Dass wir Menschen kleine Viecher sind, ist schließlich auch nichts Neues. Viel interessanter finde ich den Gegenentwurf hierzu.

Fotografen, die die knapp einen Zentimeter kleinen Figürchen in der großen, weiten Welt inszenieren - und damit eine Geschichte erzählen, die viel größer ist als die stumpfe Oberflächenästhetik eines Tiltshift-Objektivs. Wahre Größe ist eben eine Frage der Fantasie und lässt sich nicht mal eben durch Tools wie den "Tiltshiftmaker" herbeiklicken. Denn nicht die Menschen stehen in diesen Miniaturen im Mittelpunkt, sondern ihr Verhältnis zur Welt. Sie wirken wie Fremde, wie Beobachter eines absurden Erdengeschehens, wie ein ganz eigenes Völkchen einer Parallelwelt, das immer genau dann mit dem Rasenmäher über den Brokkoli brettert oder mit Presslufthammern Walnüsse aufstampft, wenn wir mal gerade nicht dabei sind. Und in einigen sehr tollen Bildern wirken sie auch wie hoffnungslose oder mutige Gestalten, die die Welt der Großen mit übermenschlicher Neugier erkunden und Gefahren überstehen, die sonst nur jemand vermutet, der Gulliver heißt. Da kann schon mal die Biene zum Monster und die Kippe zum Super-Gau werden. Das sind ganz große Metaphern auf die Kleinigkeiten des Alltags. Ich bin Fan. Wen es interessiert: Selbst im Online-Boulevard ist schon angekommen, dass Klein das neue Groß ist (nachzulesen hier).

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(c) Christopher Boffoli













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