24.02.2012

Einfach mal machen

Matt Jones
Liebe Freunde des steten Wandels.
"Es ist wie es ist, und es ist fürchterlich", soll der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard einmal gesagt haben. Vielleicht stammt der Satz aber auch von Hans Henny Jahnn. Wer auch immer das gesagt hat: besten Dank dafür. Es ist ein schöner Satz. Er leuchtet immer dann in heller Wahrheit, wenn die Welt es wagt, von unserer Vorstellung abzuweichen. Und wenn wir feststellen, dass es nicht zu ändern ist. Ein sehr passender Satz, um es sich in der eigenen Ausweglosig- und Antriebslosigkeit bequem zu machen. Eine sprachliche Killer-App für jeglichen Aktivismus. Und ein wunderbarer Dünger für die nötige Portion Alltagszynismus. Den Satz im Standard-Repertoire für schmale oder tiefe Gesprächsführung zu haben, kann sicher nicht schaden. Wenn er dann tatsächlich gesagt wird, könnte der versierte Gesprächspartner vielleicht mit dem französischen Philosophen Gilles Deleuze beiläufig antworten: "Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen." Bleibt die Hoffnung, dass man auch die passende Waffe findet. Und, weil alles schließlich zwei Seiten hat, bleibt auch die Furcht davor, dass man die passende Waffe findet, denn: was machen wir, wenn wir sie gefunden haben? Sie benutzen?
Wenn ich an Waffen denke, muss ich an Krieg denken. Im Jahre 1939 hat das britische Informationsministerium Poster unter die Leute gebracht, die die Motivation und den Durchhaltewillen der Menschen stärken und verhindern sollten, dass die Bevölkerung vom Kriegsbeginn demoralisiert wird: "Keep calm and carry on." Auch das ist ein schöner und wahrer Satz. Aber nur ruhig bleiben, aussitzen und weitermachen wie bisher ist vielleicht auch nicht die beste Lösung, wenn die Welt rings herum jeden Tag eine andere ist. Das muss sich dann wohl auch Matt Jones gedacht haben, als er dem alten Propagandaspruch einen neuen, aktivierenden, begeisternden Entwurf gegenüberstellte - und die "Kronjuwelen" durch Schraubenschlüssel ersetzt hat. Es gibt ja bekanntlich für alles seine Zeit, und jetzt ist eben die Zeit loszulegen. Ich höre schon Marshall McLuhan hinter Deleuze und Bernhard hinterherrufen, als diese beiden sich zum Kneipenbesuch verabschieden: "Es gibt überhaupt keine Unvermeidlichkeit, solange eine Bereitschaft besteht, das aktuelle Geschehen zu überdenken." In diesem Sinne: Einfach mal machen! Im Namen des Fortschritts. Ist ohnehin alles nur Beta.

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