01.07.2016

Alltägliche Anti-Euphorie

Liebe Freunde des internationalen Irrsinns.
Dadaismus ist keine Kunstform mehr, er hat das wahre Leben erreicht, den echten Alltag, die normalodurchtränkte Wirklichkeit des einfachen Mannes. Oder des komplizierten. Und der einfachen oder komplizierten Frau. Und alles davor, daneben, darüber und dahinter. Was ist eigentlich los hier? Die Welt gerät aus den Fugen, weil irgendwelche zumeist männlichen Katastrophen mit schlechten Frisuren den Menschen beweisen müssen, wer den Längsten hat. Was soll das? Warum ist das so, dass ein paar Wichshörnchen am Rad drehen und meinen Gemütszustand mit ihrem politischen Pipi besudeln? Und dass es genügend  Clowns gibt, die ihnen zustimmen und zuklatschen, setzt dem Fass die Krone auf. Ich komme aus dem Fragen nicht mehr heraus. Und aus dem Kopfschütteln. Oder anders formuliert: Beruhigung ist ein hartes Stück Arbeit geworden, das Leben eine dauerhafte Nicht-Durchdreh-Disziplinierung.

Man möchte zum Beispiel die ganze Zeit alte Wipers-Alben hören oder FUGAZI, FUBAR oder SNAFU rufen und fragt sich, wohin mit seiner Wut. Das hatte ich zuletzt mit knapp zwanzig Jahren, als die Weltaneignung mit grobkörnigem Schmirgelpapier meine adoleszente Identität geformt hat. Und nein, Midlife-Crisis lasse ich jetzt als Erklärung nicht gelten. Nun bin ich ja nicht so der revolutionsaktivistische Typ und lebe meinen Umgang mit dampfender Kacke anders aus. Mit Stiften, mit Wörtern, mit halbwegs produktivem Seufzen. Man fragt sich schon, ob das alles noch real ist. Ich habe mittlerweile echt ein Problem meinen Kindern zu erklären, was da in der großen weiten Welt so vor sich geht und wer da warum welche Ideologien als Wahrheit verkauft. Und wer wen auf regulärer Basis verarscht. Und wieso überhaupt alles so ist wie es ist. Und nicht anders. Jeder Erklärungsversuch endet meist mit einem Schulterzucken und fällt mit mir gemeinsam zusammen auf den minimalpädagogischen Ratschlag an die Minderjährigen: Seid einfach nette Menschen.

Und wenn die Kinder dann mit ein paar Fragezeichen mehr aus dem Raum verschwinden, kippt mein Kopf in den Nacken, und nach ganz oben geht der Schrei: "We owe you nothing, you have no control." Dann ist es wieder stumm, die Kinder spielen oder machen Hausaufgaben und sich fit für den Weltmarkt. Man sitzt in der Küche, fühlt eine gewisse Leere, der Kopf fällt auf die Brust, der Blick zu Boden und die Seele sagt sowas wie: "I was standing naked checking to see if my phone still worked." Irgendwann ist dann wieder Alltag, was auch sonst, und die Welt ist immer noch aus den Fugen. Ich hoffe nur, dass ich mich nicht mit 70 oder 80 Jahren an die späten 2010er Jahre erinnere und sagen muss: Genau da fing die Scheiße echt an zu dampfen. Never Mind the Bollocks.

Oh, jetzt bin ich ein bisschen weggerutscht vom normalen Unsinn, den ich hier sonst so bringe, dabei wollte ich nur ein paar Blackouts der letzten Wochen posten. In diesem Sinne: Bleibt bitte nette Menschen! Und träumt weiter von einem guten Morgen, auch wenn die Realität immer wieder klare Antworten hat. 









02.06.2016

Schräge Remixe des Kapitalismus

Liebe Freunde seriöser Sätze.  
Hochverkehrtes Zielpublikum, seid Ihr auch bereit für viele positive Tage? Schön. Es ist eine Menge geschehen in den letzten Wochen. Die "Zeitgruppe Null" hat als E-Book endlich das Licht der Welt erblickt, der Vorsommer nimmt uns in Frühlingshaft, während das Jahresende immer näher rückt. Und die Entspannungstechnik des gepflegten Schwarzmalens will einfach nicht langweilig werden. Zwar ist Joachim-Alexander Pohlmann aufgrund eines gar nicht leeren Terminkalenders ein wenig untergetaucht, aber er gibt sich die größte Mühe, Euch bald mit neuen Abenteuern auf seiner Reise zum Glück zu unterfordern. Solange müsst Ihr mit den Textverdunkelungen der letzten Wochen Vorlieb nehmen. Aber die haben es in sich. Elf astreine Konfusionsbeschleuniger, zwei davon sogar mit englischen Strichen - und damit reich an sprachlichen Lernerfahrungen. Wenn Ihr also immer schon mal wissen wolltet, wann der lang ersehnte Gedanke endlich einsatzfähig ist, oder wie dünn Eure Aufmerksamkeit wirklich ist, dann empfehle ich dringend die amateurhaft orchestrierte Übermalung der folgenden Schwarz-Weisheiten. 

06.05.2016

Zeitgruppe Null

Liebe Freunde dufter Dystopien.
Gäbe es das Geruchs-Internet, Ihr könntet meinen Angstschweiß atmen. Oder zumindest das dezente Transpirat amtlicher Aufregung. Für die zeitarmen Hektikhasen unter Euch hier in Kürze das Wichtigste: Am 13. Mai erscheint mein Roman "Zeitgruppe Null" als E-Book bei edel&electric
Für alle, die ein bisschen mehr Zeit investieren möchten, habe ich hier aufgeschrieben, wie es soweit kommen konnte und was auf dem Weg zur Veröffentlichung so geschehen ist. Und am Ende dieses Beitrags schenke ich Euch noch den Soundtrack zum Buch. Gnadenlose 72 Songs mit Bedeutung: Ich habe die Stücke beim Schreiben oft gehört, manche werden im Text zitiert, mal weniger, mal mehr offensichtlich. Deswegen auch Haddaway. Und Ihr summt jetzt bitte nicht den ganzen Tag "What is love?" vor Euch her, versprochen? Verzeiht mir bitte diesen trashigen Ausrutscher, aber der ist dem Supermarktgedudel im ersten Kapitel geschuldet. Mittlerweile stehe ich sogar zu diesem Kirmestechno. Ich bin wohl doch ein bisschen erwachsener geworden. Oder bilde mir das ein, das reicht ja.

09.04.2016

Utopisches Frühlingserwachen

Liebe Freunde irgendwelcher Typen.
Läuft alles soweit rund, Ihr formidablen Frühlingserwacher? Ich hoffe doch. Dennoch, auch ein Jammern auf hohem Niveau ist immer noch ein Jammern, also sei an dieser Stelle das Bedauern darüber geäußert, dass man nicht deutlich glücklicher ist. Ansonsten habe ich eine neue Redwendung für Euch. "Der spinnt" oder "Der hat ja nicht mehr alle Tassen im Schrank" kann schließlich jeder sagen. Versucht es beim nächsten Mal mit dem Satz "Bei dem ist die Wirklichkeit anders verteilt". Wird bestimmt ein echter Party-Brüller. Was gibt´s sonst Neues in diesen sieben Textverdunkelungen aus den letzten Wochen? Ach ja, die Wichtigkeit von Utopien, das tolle Gefühl, pointiert einen im Tee zu haben - und natürlich die jährliche Erkenntnis, dass (nicht) nur eine Germany´s Next feministische Katastrophe werden kann. Desweiteren habe ich ein Lobkärtchen für Euch, das Ihr gerne spielen könnt, wenn der Tag mal wieder hart zudrückt. Regelmäßige Wertschätzung wird ja leider immer noch unterbewertet. In diesem Sinne: Viel Spaß beim üblen Abchillen und haltet die Ohren steif. 
Übrigens: Es würde mich freuen, wenn Ihr Euch bitte ab jetzt auf den nächsten Beitrag freut. Der ist gerade in der Mache, und es wird endlich mal wieder etwas anderes als dieses semi-interessante Rumgemale. Der hat was mit selbst getippten Wörtern zu tun. Und ich meine nicht Pohlmann, der liegt gerade leider etwas auf Eis. Ich meine etwas, das mich in den letzten vier Jahren ziemlich beschäftigt hat. Bleibt dran, zu gegebener zeit drücke ich Euch die Information in Eure müden Erwartungsaugen.

14.03.2016

Ein Fan von Stirn in Falten

Liebe Pohlmann-People.
Ich mache ja jetzt in Fortsetzungsgeschichten, das habt Ihr spätestens seit diesem Eintrag mitbekommen. Wer es noch nicht weiß, weil sie Wichtigeres zu tun hatte: Joachim-Alexander befindet sich auf seinem Weg. Und wenn er schon das Ziel nicht kennt, weiß er seit kurzem auf jeden Fall den Grund seiner Reise. Mit dem kleinen Übel hat er sich zusammen durch die Grauzone geplagt und dort das große Vielleicht kennengelernt. Nun ist er im Wankelmut-Wald, wo der Zweifel wohnt. Ihr seht: es geht weiter, langsam und kontinuierlich. Und ich freue mich wie ein peppiger Pepe, dass der unkomplizierte Komplize Benjamin eine Pohlmann-Illustration nach der anderen raushaut. In diesem Sinne: schaut Euch Kapitel vier und fünf an, die seit gar nicht allzu langer Zeit online sind, entgeistert Euch an den Blackouts und Fingerpaintings, zittert mit Pohlmann und seinen vorsichtigen Schritten, entgleist aus der Realität, wandert durch Irr- und Surrareale und kuschelt Euch in die Decke der Fantasie. Es ist ein Anfang. Und wenn Ihr mal rüberklickt in den Pohlmann-Palast, dann findet Ihr da auch ein exklusives Foto von den verantwortlichen Pohlmännern, denn letzte Woche hat uns Joachim-Alexander zu einem kleinen Shooting besucht. Das kleine Übel war ziemlich albern.

01.03.2016

Auf der Suche nach Verstand

Liebe Freunde ergiebiger Erkältungen.
Wenn der Kopf zu nichts anderem in der Lage ist, als den Rotz rauszublasen, der sich fulminant um jede furchtbare Falte der Synapsen krümmt und jeden klaren Gedanken verklebt, dann ist wieder Schwarzmal-Zeit. Gesundheit! Für dieses Jahr und die Monate nach der Buchveröffentlichung hatte ich mir ja vorgenommen, erstmal nur noch in dem Büchlein rumzukritzeln, das Futter für meine Pohlmann-Geschichte liefert. Aber Ihr kennt das: Manchmal meidet man Vorsätze wie Veganer die Fleischtheke. So ergab es sich also zu dieser Zeit des Übergangs, in der der Winter nicht mehr richtig Winter war, aber der Frühling noch weit vor den Toren der Stadt auf Einzug wartete, dass wieder ein paar Printprodukte über mich gestolpert sind und um stilvolles Recycling gebettelt haben. Kann man diese freundlichen Buchstabenwichtel zurückweisen? Nein, das kann man nicht. Also kitzelt man die Seiten mit dem Stift und kommt anschließend noch dem Wunsch des persönlichkeitstransformierten Papiers nach, doch bitte ins virtuelle Schaufenster gestellt zu werden. Also bitte. Bitte schön. Hier sind acht Jahresanfangsverdunkelungen, die Euch einen sanften Übergang in die helleren Tage versprechen. In diesem Sinne: März!

12.02.2016

Früh übt sich

Liebe Freunde frühzeitiger Fantasie.
Tochter zwei ist siebeneinhalb. Heute war sie krankheitsbedingt nicht in der Schule, und ich habe "Home Office" gemacht. Mit Betonung auf "Home" natürlich, nicht auf "Office". Sie hatte sich immer mal wieder zwischendurch in ihr Zimmer verzogen, um an "einer Geschichte" zu arbeiten. Ich lächelte und nutzte die Zeit, um wenigstens ein paar Mails abzuarbeiten. Zu mehr kommt man in solchen Situationen ja nicht. 
Dann stand sie mit dem Zettel vor mir und hat mir die Geschichte vorgelesen. Ich habe mir sofort die Erlaubnis geholt, diese tiefsinnige Erfolgsstory zu verlegen. Im Internet, wo auch fremde Leute das lesen können. Oha. Et voilà. Als Vorschuss gab es das Wunschmittagessen - und sogar einen Nachtisch. 
Zwecks Veröffentlichung habe ich noch ein paar Regeln der deutschen Schriftsprache eingehäkelt, sonst nix. Aber lest selbst.

04.02.2016

Pohlmann zieht um

Liebe Pohlmann-Freunde.
Nur kurz zwei Neuigkeiten, denn Ihr müsst weiter. Erstens, es gibt ein drittes Kapitel von Pohlmann. Zweitens, Pohlmann ist umgezogen. Also virtuell, meine ich. Er hat eine neue Adresse und wohnt jetzt in einer eigenen Subdomain. Ich bin weiter fleißig dabei, ihm die Zimmer einzurichten. Was braucht denn so ein Pohlmann, damit er sich wohlfühlt? Möbel kann ich nicht, Bodenbelag auch nicht. Bisschen Licht vielleicht. Aber genau das hat er im dritten Kapitel nicht. Dafür gibt es wieder zwei Blackouts, die mir beim Schreiben geholfen haben, auf eine Spur zu kommen. Und es gibt wieder ein wunderbares (diesmal sogar animiertes) Fingerpainting-Bild von Benjamin. Wenn Ihr Joachim-Alexander Pohlmann mal besuchen wollt, müsst Ihr hier klingeln, äh, ich meine klicken: "Herr Pohlmann sucht das Glück".
In diesem Sinne: wachst weiter, so wie diese Geschichte.

25.01.2016

Behängte Wände

Liebe Freunde zerrupfter Zeitungen.
Das war ein schöner Auftakt zur Ausstellung. Ein toller Abend in der Galerie Gudberg Nerger. Dort hängen seit letztem Freitag einige  Textverdunkelungen an der Wand. Danke an alle, die da waren und mit mir und anderen getrunken und gequatscht haben. Es war mir ein inneres Blumenpflücken, ein Fest nahezu. Ich habe hier mal einige Fotos zusammengestellt, in meinem Alter braucht man hin und wieder visuelle Anker, um sich noch an Dinge zu erinnern. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. Februar. Vielleicht hat der eine oder die andere ja noch Lust und Zeit, mal in der Hamburger Neustadt (Poolstraße) vorbeizuschauen. Wie bereits vor knapp drei Jahren gab und gibt es auch diesmal wieder eine kleine Wand mit Zeitungsseiten, auf der Ihr selbst aktiv Alttexte verdunkeln könnt. Schon am Freitag Abend waren ein paar echte Knüller dabei, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. 

06.01.2016

Herr Pohlmann sucht das Glück

Liebe Freunde phantastischer Phortsetzungsgeschichten.
Para Neujahr! Seid Ihr gut über die Jahreswände geklettert? Ich habe mir überlegt, dieses Jahr weniger Fremdwörter zu benutzen und etwas mehr Selbstwörter zu verwenden. Soll heißen: bisschen mehr schreiben statt streichen. Erwartet Wunden, keine Wunder. Aber erwartet etwas.
Kennt Ihr eigentlich Joachim-Alexander Pohlmann? Den kannte ich bis vor kurzem auch nicht, aber ich habe ihn mir gebastelt. Also eigentlich hat er schon vorher existiert, als Figur in einem Buch, das ich gefunden habe. Dort hieß er zwar Ernst, aber egal. Ich habe mir überlegt, in diesem Buch kontinuierlich Seiten zu verdunkeln, nach jedem Blackout eine kleine Pohlmann-Geschichte zu schreiben und dann hier zu veröffentlichen. Mal sehen, wohin sich das entwickelt. Angefangen hat es mit Seite 75: "Pohlmann und das kleine Übel". Für dieses Experiment habe ich Joachim-Alexander sogar ein kleines Zimmer in diesem Webspace-Plattenbau eingerichtet. Wenn Ihr mal schauen wollt, hier geht es zu den ersten beiden Kapiteln von "Herr Pohlmann sucht das Glück".